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Magazin für Häfen, Schifffahrt und Logistik

Ein Orchester für mehr Akzeptanz

Auf der Nationalen Maritimen Konferenz Ende April in Emden hatte die Allianz Deutsche Häfen noch leise Töne angeschlagen. Am 10. Juni 2026 folgte dann der offizielle „Paukenschlag“, als sich das Hafen-Oktett in der Hamburger Landesvertretung in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorstellte.

Fotos: Nports, bremenports, Grafik: Freepik

Die Veranstaltung in der Hauptstadt stand unter dem Leitmotiv „Wo Resilienz beginnt: Zwischen Energiekrise und Verteidigungspolitik – die deutschen Häfen als tragende Säulen einer nachhaltigen Infrastruktur der Zukunft“. Hinter diesem Event und dem neuen Zusammenschluss stand und steht zukünftig die Allianz Deutsche Häfen. Sie besteht aus den acht deutschen Hafeninfrastrukturbetreibern bremenports, Brunsbüttel Ports, Duisport, Hamburg Port Authority, Port of Kiel, Lübeck Port Authority, Niedersachsen Ports und Rostock Port. Unterstützt wird die Initiative darüber hinaus vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Gemeinsam vertreten die Akteure das gesamte Spektrum der in den deutschen Häfen ansässigen Unternehmen, um die zentralen Zukunftsfragen der Hafenentwicklung im Schulterschluss voranzutreiben. Ihr Ziel: Sie wollen als tragende Säulen einer nachhaltigen Infrastruktur der Zukunft anerkannt werden und aus Berlin nicht nur warme Worte erhalten, sondern angemessen finanziert werden. Deshalb hat die Allianz bei ihrem Startschuss entsprechende Forderungen aufgestellt (siehe Infokasten).

Vor rund 140 Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft machte Dr. Melanie Leonhard, Hamburgs Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation, gleich zum Einstieg der Veranstaltung in Berlin deutlich, welchen Kurs die Allianz einschlagen will: „Die Aussage ‚No shipping, no shopping‘ bringt es auf den Punkt: Unsere Häfen sind Voraussetzung unserer strategischen Autonomie und ökonomischen Sicherheit und gehören ganz klar in den bundespolitischen Fokus.“ Und bezogen auf die finanzielle Ausstattung der Häfen ergänzte Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus: „Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die deutschen Häfen, weil für uns als Exportnation viel davon abhängt. Dazu gehört auch eine Flexibilisierung beim Sondervermögen.“

Beide Aussagen finden die volle Zustimmung von bremenports-Geschäftsführer Robert Howe, der zur Entstehung der Allianz erläutert: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren bereits in zahlreichen Gesprächskreisen, auf Austauschplattformen und bei Veranstaltungen getroffen. Doch im vergangenen Jahr ging auf einmal ein Ruck durch uns. Wir sind uns bewusst geworden, dass wir ganz andere Hebel ansetzen können, wenn wir gemeinsam auftreten.“ Dabei verweist Howe darauf, dass die Initialzündung zu diesem Zusammenschluss aus Hamburg kam und dass es keinesfalls nur um monetäre Aspekte, sondern vielmehr um eine komplett neue Bewertung der Rolle der Häfen geht. „In einigen Nachbarländern haben die Regierungen die wahre Bedeutung der Häfen viel früher erkannt, als das hierzulande der Fall ist. Bei uns stellen sich diese Erkenntnisse zwar zunehmend ein, aber noch werden nicht die richtigen Schlussfolgerungen daraus gezogen“, so Howe. Und um die Wichtigkeit der deutschen Häfen zu unterstreichen, fügt er hinzu, dass derzeit über 1,5 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze allein an der deutschen Hafenwirtschaft hängen und rund 60 Prozent aller Im- und Exporte über die Häfen als zentrale Knotenpunkte des deutschen Außenhandels abgewickelt werden. Doch das würde noch lange nicht die wahre Leistungsfähigkeit widerspiegeln, die hinter den Häfen steht: „Man muss auch die Logistik- und die Wertschöpfungsketten mit in Betracht ziehen, die sich an die Häfen anschließen. Dann erhöht sich ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor und als zentrale Drehscheiben des internationalen Handels noch einmal um ein Vielfaches.“

Die Forderungen der Allianz:

1.
Anerkennung der See- und Binnenhäfen als strategische Infrastruktur von nationaler Bedeutung

2.
Wie im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehen, die bisherigen Zahlungen des Bundes im Rahmen des Hafenlastenausgleiches und im Einklang mit den Interessen des Bundes an den Häfen substanziell erhöhen

3.
Auflösung des derzeitigen Modernisierungsstaus in der öffentlichen Hafeninfrastruktur mit Mitteln aus dem Infrastruktur-Sondervermögen

4.
Dezidierte Aufnahme von See- und Binnenhäfen in das geplante Infrastruktur-Zukunftsgesetz und eine damit einhergehende deutliche Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren

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Beide Aussagen finden die volle Zustimmung von bremenports-Geschäftsführer Robert Howe, der zur Entstehung der Allianz erläutert: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren bereits in zahlreichen Gesprächskreisen, auf Austauschplattformen und bei Veranstaltungen getroffen. Doch im vergangenen Jahr ging auf einmal ein Ruck durch uns. Wir sind uns bewusst geworden, dass wir ganz andere Hebel ansetzen können, wenn wir gemeinsam auftreten.“ Dabei verweist Howe darauf, dass die Initialzündung zu diesem Zusammenschluss aus Hamburg kam und dass es keinesfalls nur um monetäre Aspekte, sondern vielmehr um eine komplett neue Bewertung der Rolle der Häfen geht. „In einigen Nachbarländern haben die Regierungen die wahre Bedeutung der Häfen viel früher erkannt, als das hierzulande der Fall ist. Bei uns stellen sich diese Erkenntnisse zwar zunehmend ein, aber noch werden nicht die richtigen Schlussfolgerungen daraus gezogen“, so Howe. Und um die Wichtigkeit der deutschen Häfen zu unterstreichen, fügt er hinzu, dass derzeit über 1,5 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze allein an der deutschen Hafenwirtschaft hängen und rund 60 Prozent aller Im- und Exporte über die Häfen als zentrale Knotenpunkte des deutschen Außenhandels abgewickelt werden. Doch das würde noch lange nicht die wahre Leistungsfähigkeit widerspiegeln, die hinter den Häfen steht: „Man muss auch die Logistik- und die Wertschöpfungsketten mit in Betracht ziehen, die sich an die Häfen anschließen. Dann erhöht sich ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor und als zentrale Drehscheiben des internationalen Handels noch einmal um ein Vielfaches.“

Portraitfoto von Robert Howe, Geschäftsführer von bremenports

„Gesetze kann man anpassen und danach einen erneuerten Hafenausgleich aufstellen.“

Robert Howe, Geschäftsführer von bremenports

Häfen als Ländersache „nicht mehr zeitgemäß“

Vor diesem Hintergrund fordert die Allianz Deutsche Häfen eine angemessene Finanzierung der See- und Binnenhäfen als strategischer Infrastruktur. Bisher fließen im Rahmen des sogenannten Hafenlastenausgleichs jährlich 38,3 Millionen Euro durch die Bundesregierung in die Häfen. Doch diese Summe reicht aus Sicht der Verantwortlichen bei Weitem nicht aus, sodass die Küstenländer und der ZDS eine Aufstockung auf 500 Millionen Euro im Jahr anvisieren – eine Forderung, der sich auch Howe anschließt. Allerdings erteilte Bundeskanzler Friedrich Merz dieser Zielsetzung auf der Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) in Emden eine Absage. Er verwies darauf, dass sich der Betrag nicht ohne eine dafür notwendige Verfassungsänderung erhöhen lasse und dass laut Verfassung die Länder – und nicht der Bund – für die Finanzierung der Häfen zuständig seien. Für Howe ein falsches Signal. Er sagt: „Gesetze kann man anpassen und danach einen erneuerten Hafenausgleich aufstellen.“ Zudem sei die Betrachtungsweise „Häfen sind Ländersache“ für ihn nicht mehr zeitgemäß. „Spätestens Corona und die Situation in der Ukraine haben gezeigt, dass unsere Häfen eine nationale Aufgabe erfüllen – sei es als unverzichtbare Knotenpunkte für globale Lieferketten, für die Energiewende oder für die militärische Mobilität im Rahmen der europäischen Sicherheitsarchitektur“, ergänzt er.

Rückendeckung erhält Howe in dieser grundsätzlichen Frage auch aus anderen Häfen. So sagt Tino Klemm, Chief Financial Officer der Hamburg Port Authority: „Im Kern geht es darum, die Infrastruktur zukunftsfest zu machen: modern, leistungsfähig und resilient. Dafür braucht es vor allem eine verlässliche Finanzierungsstruktur und klare politische Rahmenbedingungen, damit notwendige Investitionen zeitgerecht umgesetzt werden können.“ Er geht davon aus, dass diese Zielsetzung im Zusammenspiel der acht Partner deutlich besser erreicht werden kann, als das mit bisherigen Aktivitäten im Alleingang der Fall war: „Ich erwarte, dass die Allianz Deutsche Häfen die Bedeutung der Häfen stärker ins politische Bewusstsein Berlins rückt und ihre Interessen wirkungsvoll auf Bundesebene vertritt.“ Für Klemm ist die Allianz deshalb weit mehr als nur ein weiterer Interessenverbund. „Die Besonderheit dieser Allianz liegt im Schulterschluss der großen Hafenstandorte selbst. Das gemeinsame Auftreten verkörpert die Inhalte der Nationalen Hafenstrategie. Hier sprechen die zentralen Infrastrukturbetreiber mit einer Stimme; geschlossen und mit klarer politischer Zielrichtung unterstützen sie dadurch die bisherigen Anstrengungen.“

Gruppenfoto der Allianz „Deutsche Häfen“, die eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes fordert.
Gemeinsam für die Zukunft der Logistik: Die Allianz Deutsche Häfen fordert eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes an der Hafeninfrastruktur.
Ähnlich sieht das NPorts-Geschäftsführer Holger Banik. Er betont: „Mit der Allianz Deutsche Häfen bündeln wir unsere Kräfte und machen deutlich, welche strategische Bedeutung die Hafeninfrastruktur für den Wirtschaftsstandort Deutschland hat.“ Aus seiner Sicht seien die Häfen schon heute unabdingbar für die Versorgung des Landes, sie dienten als Energiehubs und müssten künftig vermehrt auch für eine Dual-Use-fähige Infrastruktur in einem möglichen Krisenfall sorgen. Mit Blick auf den Investitionsbedarf und die Zuständigkeitsdiskussion zwischen Bund und Ländern bei der Hafen-finanzierung macht Banik deutlich: „Der Bund erwartet von den Häfen immer mehr Leistungen. Doch finanziert wird diese neue Rolle nach wie vor überwiegend aus regionalen und kommunalen Strukturen. Genau darin liegt der politische Widerspruch: Es werden nationale Aufgaben formuliert, ohne die nationale Verantwortung konsequent zu übernehmen.“ Dementsprechend mahnt Lars Nennhaus, Vorstand Technik und Betrieb der Duisburger Hafen AG: „Wir funktionieren nur gemeinsam. Stottert ein Hafen, stottert die Volkswirtschaft.“

Anfang Juli hat die der Bundesregierung die See- und Binnenhäfen in den Anwendungsbereich des neuen Infrastruktur-Zukunftsgesetzes einbezogen, wodurch eine deutliche Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für wichtige Hafeninfrastrukturprojekte zu erwarten ist. Stellvertretend für die Allianz Deutsche Häfen bewertete Howe dies als „ein wichtiges und richtiges Signal.“ „Die Aufnahme der Häfen in das Infrastruktur-Zukunftsgesetz war eine unserer Kernforderungen und stellt eine deutliche Aufwertung der Häfen dar“, so der bremenports Geschäftsführer weiter. (cb)

Portraitfoto von Holger Banik, Geschäftsführer von NPorts

„Es werden nationale Aufgaben formuliert, ohne die nationale Verantwortung konsequent zu übernehmen.“

Holger Banik, Geschäftsführer von NPorts

Portraitfoto von Tino Klemm, Chief Financial Officer der Hamburg Port Authority

„Im Kern geht es darum, die Infrastruktur zukunftsfest zu machen.“

Tino Klemm, Chief Financial Officer der Hamburg Port Authority