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Als Schiffbauer und Entwickler autonomer Systeme erfolgreich

Durch die Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) inklusive aller Töchter stieg Rheinmetall am 1. März 2026 vom Zulieferer für Marineausrüstung zum vollwertigen Schiffbauer auf. Mit diesem Schritt hat der Konzern sein Portfolio um eine sechste Division erweitert, die unter der Bezeichnung Naval Systems firmiert und die neben dem Schiffbau noch über ein zweites starkes Standbein verfügt.

Am Standort von Blohm+Voss in Hamburg erfolgt die Endausrüstung, die Inbetriebnahme und die Erprobung der Neubauten.

Fotos: Rheinmetall Naval Systems

Bereits vor dem Einstieg in den Schiffbau war Rheinmetall in maritimen Gewässern unterwegs – und zwar mit einem breiten Produktportfolio, das vom Marineleichtgeschütz „MLG27“ und weiteren Bewaffnungssystemen wie der „Sea Snake 30“ und dem Täuschkörpersystem „Multi Ammunition Softkill System“ (MASS) bis hin zu Simulationstechnologien für maritime Systeme reicht.

Jetzt hat man sich mit NVL, dem militärischen Geschäftsbereich der Lürssen-Gruppe, auch deren Kompetenz für den Überwasserschiffbau mit ins Boot geholt – und zwar mit vier hoch spezialisierten Werften in Norddeutschland. Dabei handelt es sich um Blohm+Voss und die Norderwerft in Hamburg, die Peene-Werft in Wolgast und die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven. Gesteuert wird das Zusammenspiel der Werften von Bremen aus, wo die Zentrale der neuen Rheinmetall-Division Naval Systems ihren Sitz hat. Im niedersächsischen Lemwerder wurde Anfang dieses Jahres zudem ein neuer Campus mit über 400 hochmodernen Arbeitsplätzen in Betrieb genommen, auf dem unter anderem die Abteilungen Konstruktion und Einkauf, das Qualitätsmanagement und die Personalabteilung untergebracht sind. Zur neuen Division gehören darüber hinaus Vertriebs- und Konstruktionsbüros in Ägypten, Brunei, Bulgarien, Kroatien und Singapur.

„Rheinmetall wird zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein und entwickelt sich damit zum domänenübergreifenden Systemhaus“, prognostizierte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, anlässlich des Transaktionsabschlusses mit NVL. Dabei verwies er auf die aktuelle geopolitische Lage und betonte, dass es auch im maritimen Bereich zunehmend auf „militärische Durchsetzungsfähigkeit“ ankomme. Entsprechend effizient sind die einzelnen Standorte auf bestimmte Aufgaben spezialisiert: Die Norderwerft und die Neue Jadewerft kümmern sich als Reparaturstandorte sowohl um kommerzielle Einheiten als auch Marineschiffe. Die Peene-Werft übernimmt indes den Bau von Marine-schiffen und Küstenwachbooten, die anschließend zu Blohm+Voss zur Endausrüstung, Inbetriebnahme und Erprobung verholt werden.

Die Peene-Werft in Wolgast hat sich auf den Bau von Marineschiffen und Küstenwachbooten spezialisiert. Auf diesem Foto wird ein Konstruktionsmechaniker bei der Arbeit gezeigt.
Die Peene-Werft in Wolgast hat sich auf den Bau von Marineschiffen und Küstenwachbooten spezialisiert.
„Wir betreuen Flotten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg und tragen auf diese Weise dazu bei, die Deutsche Marine und andere Navies weltweit einsatzbereit zu halten“, erläutert Tim Wagner, CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems. Als jüngstes Beispiel für die eigenen Schiffbauaktivitäten nannte er die Taufe der „Lübeck“, der inzwischen zehnten Korvette der Klasse 130, Ende April in Hamburg. Sie entstand unter Federführung der NVL (jetzt: Rheinmetall Division Naval Systems) und wurde in Zusammenarbeit mit TKMS und German Naval Yards in Kiel gefertigt. Für Wagner ist der Bau dieser Korvettenserie ein Vorzeigebeispiel für gelungene Kooperationen zwischen den einzelnen Werftstandorten. Während die Vorschiffe in Bremen und Kiel gebaut wurden, erfolgte der Bau der fünf Hinterschiffe in Wolgast. Die Schiffshälften wurden anschließend nach Hamburg geschleppt und bei Blohm+Voss miteinander vereint und endausgerüstet.

Neben dem Schiffbau gehören auch die Forschung und Entwicklung von autonomem maritimen Überwassersystemen zum Portfolio von Naval Systems. Dort spricht man vom Manned/Unmanned-Teaming, kurz MUM-T. Gemeint sind maritime Lösungen, die ein Zusammenspiel von bemannten Systemen wie Fregatten mit unbemannten Systemen, etwa Überwasserdrohnen, kennzeichnen. Dazu vermeldete Naval Systems im April den Start der Serienproduktion des „Kraken K3 Scout“ – einer unbemannten maritimen Plattform, die je nach Konfiguration zur Überwachung von Seegebieten, zum Schutz kritischer Infrastruktur oder als Waffenträger für militärische Operationen eingesetzt werden kann. Die Produktion dieses Unmanned Surface Vessels (USV) erfolgt im Rahmen eines Joint Ventures mit der britischen Kraken Technology Group bei Blohm+Voss unter der Firmierung Rheinmetall Kaken.

Was hier über das Wasser rast, ist das „AMC12“, ein Versuchsträger für unbemannte und autonome Überwasserfahrzeuge, den Rheinmetall gemeinsam mit Partnern entwickelt hat.
„AMC12“ ist ein Versuchsträger für unbemannte und autonome Überwasserfahrzeuge, der gemeinsam mit Partnern entwickelt wurde.
Ebenfalls im April hat Rheinmetall das zwölf Meter lange Einsatzboot „AMC12“ vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen autonomiefähigen Versuchsträger, der durch austauschbare Module die flexible Integration unterschiedlicher Technologien – von Navigations- und Sensorsystemen über Kommunikationslösungen bis hin zu KI-Anwendungen – ermöglicht. Diese können beispielsweise zum Schutz von Pipelines und Offshore-Windparks oder auch zur Überwachung und Verteidigung eingesetzt werden. Entwickelt wurde das „AMC12“ von Rheinmetall in strategischer Zusammenarbeit mit IBM, Anschütz und Besecke. Abgerundet wird das Leistungsspektrum in diesem Segment durch ein Betreibermodell, das den Namen ISRaaS (Intelligence, Surveillance und Reconnaissance as a Service) trägt. Mit diesem Modell bietet Rheinmetall seinen Kunden eine effektive Lösung zur dauerhaften Überwachung vordefinierter Seegebiete durch unbemannte Boote. Die mit modernster Sensorik erfassten Daten werden in einem Datenzentrum zusammengeführt und dem Kunden im Anschluss für eine umfassende Lagebilderstellung und Anomalieerkennung zur Verfügung gestellt. Dabei übernimmt das Unternehmen die komplette Beschaffung, Wartung und den Betrieb der unbemannten Patrouilleneinheiten.

Mit dem Blick nach vorn sagt Wagner: „Die Entwicklung geht rasant in Richtung Automatisierung, Modularität und Skalierung der Serienfertigung.“ Der Fokus werde sich in Zukunft aber noch massiver in Richtung USV und hybride Flotten verlagern. „Wir erleben in den aktuellen Konflikten eine Dynamik, die zusehends beeinflusst ist von autonomen und hochautomatisierten Systemen. Ebenso haben sich die Sicherheitsrisiken für maritime Infrastrukturen in der Nord- und Ostsee erhöht. Auf diese neuen Bedrohungslagen müssen wir effektive Antworten finden“, erklärt Wagner. Und er ergänzt: „Autonome Unter- und Überwassersysteme haben den Vorteil, dass sie eine schnelle und flexible Reaktionsfähigkeit, ein geringeres Risiko für Besatzungen und eine hohe Einsatzeffizienz gleichzeitig bieten.“ (bre)

Fakten

Naval Systems

Gegründet: 1. März 2026 als eine Division der Rheinmetall A
Mitarbeiter: rund 2.000
Hauptarbeitsfelder: maritime Lösungen im Schiffbau, Forschung und Entwicklung autonomer maritimer Überwassersysteme
Standorte: Bremen, Hamburg, Lemwerder, Wilhelmshaven und Wolgast; darüber hinaus Konstruktionsbüros und Niederlassungen in Ägypten, Brunei, Bulgarien, Kroatien und Singapur

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