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Magazin für Häfen, Schifffahrt und Logistik

Am Puls Der Azubis?

Auch in der maritimen Wirtschaft und in der Logistik sind Auszubildende gesucht. Deshalb hat der LOGISTICS PILOT einige zu den Gründen für die Wahl ihres Ausbildungsberufs, zum Image der Branche in ihrer Generation und auch dazu befragt, was sich ändern muss, damit die Ausbildung attraktiv bleibt beziehungsweise noch attraktiver wird..

Fotos: Grafik: freepik.com, Fotos: J. Müller, Nordfrost, BLG LOGISTICS, Jade Dienst, Glomb, Maximilian Henning, Rhenus Cuxport
„Ich habe mich für diese Ausbildung entschieden, weil mich schon immer interessiert hat, was hinter der Logistik steckt und wie die Güter, die wir jeden Tag benutzen beziehungsweise verbrauchen, in die Supermärkte oder auch direkt zu uns nach Hause kommen. Außerdem ist die Logistik eine zukunftssichere Branche.

Die Speditionsbranche hat in mancher Hinsicht ein Imageproblem in unserer Generation. Das hat oftmals aber auch einfach damit zu tun, dass viele nicht wissen, was alles zur Speditionsbranche gehört. In meinem Freundeskreis wurde mir schon öfter gesagt, wie ich denn nur in der Logistik arbeiten könne. Wenn ich sie dann über die Logistik aufkläre, wussten viele gar nicht, was alles zur Logistik zählt.

Um die Ausbildung in unserer Branche attraktiv zu gestalten, sollte es eine angemessene Vergütung geben. Außerdem sollte es mehrere Weiterbildungen zu dem Beruf geben. Es sollten duale Studiengänge angeboten werden.“

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Jannick Schermann

Alter: 19
Ausbildungsberuf: Kaufmann
für Spedition und Logistikdienstleistung
Ausbildungszeitraum: 2021 bis 2024
Arbeitgeber: J. Müller Weser
Ort: Brake

Waldemar Hollmann

Alter: 31
Ausbildungsberuf: Fachkraft für Lagerlogistik
Ausbildungszeitraum: 2020 bis 2023
Arbeitgeber: Nordfrost
Ort: Wilhelmshaven

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„Für diese Ausbildung habe ich mich entschieden, weil Logistik unerlässlich für die Wirtschaft ist. Außerdem werden dort jetzt und in Zukunft immer und überall Jobs angeboten. Ich habe in meiner Jugend schon einmal in einem Logistikunternehmen gearbeitet und fand es wirklich spannend. Nach meiner sechsjährigen Dienstzeit bei der Marine dachte ich mir, dass eine Ausbildung in dem Beruf, der mir Spaß gemacht hat, nicht verkehrt wäre. Ehemalige Kameraden aus meiner Dienstzeit arbeiten im Lager als Zivilisten, manche auch noch als Soldaten in einem Lager.

Leider ist das Image der Hafen- und Logistikbranche in meiner Generation eher mittelmäßig. Das Arbeiten in dieser Branche wird viel mit Stress und viel Arbeit verbunden. Dazu ist nicht jeder bereit. Die Gehälter schwanken auch stark zwischen den Arbeitgebern. Generell sollten mehr Fortbildungsmöglichkeiten angeboten werden. Das Verständnis der Leute für diese Branche muss sich verbessern. Angemessene Löhne sind auch nie schlecht.“

„Vor Ausbildungsbeginn kannte ich die Firma nicht und hatte auch keine Idee, was eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik beinhaltet. Ich habe von einer Freundin von der BLG erfahren und daraufhin ein dreitägiges Praktikum in der Handelslogistik absolviert. Das hat mir sehr gut gefallen. Der Ausbildungsberuf ist vielseitig, abwechslungsreich und man lernt viele Facetten kennen. Außerdem habe ich den Staplerschein gemacht.

Durch meinen Familien- und Bekanntenkreis hatte ich vorher kaum Berührungspunkte mit der Hafen- und Logistikbranche. Viele können sich darunter nichts vorstellen. Ich glaube, dass man die Branche generell interessanter machen muss, indem man mehr Einblicke gibt und zeigt, wie vielseitig sie ist. Ich kann jedem nur empfehlen, hier ein Praktikum zu machen. Viele denken, dass man im Lager nur Stapler fährt und Sachen verpackt. Dies ist aber nicht so. Mir macht zum Beispiel die systemseitige Arbeit in der Halle zusammen mit den Kollegen besonders viel Spaß. Ich wäre nicht der klassische Büromensch für acht Stunden Schreibtischarbeit.

Es muss mehr über Social-Media-Kanäle und Onlineplattformen geworben werden. Wichtig finde ich auch den persönlichen Kontakt auf Schülermessen. Der direkte Austausch mit Auszubildenden ist wichtig für Einblicke in den Arbeitsalltag.“

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Clara Kunze

Alter: 25
Ausbildungsberuf: Fachkraft für Lagerlogistik
Ausbildungszeitraum: 2020 bis 2023
Arbeitgeber: BLG LOGISTICS
Ort: Bremen

Eduard Wollberg

Alter: 22
Ausbildungsberuf: Konstruktionsmechaniker
Ausbildungszeitraum: 2021 bis 2025
Arbeitgeber: Jade-Dienst
Ort: Wilhelmshaven

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„In der 8. Klasse sind wir von der Schule aus für einige Zeit in die berufsbildende Schule (BBS) gegangen, um verschiedene Arbeitsbereiche kennenzulernen. Mir gefiel der Metallbereich und deshalb habe ich mich nach meinem Abschluss bei der BBS Wilhelmshaven für ein Schuljahr in der Metalltechnik angemeldet, um die Grundkenntnisse kennenzulernen und mir zu überlegen, ob ich diesen Beruf erlernen möchte. Anschließend habe ich für zehn Monate ein Langzeitpraktikum in der Metalltechnik absolviert. Danach habe ich noch mal in einem anderen Betrieb als Verpacker gearbeitet, um einen weiteren Bereich kennenzulernen, bald aber festgestellt, dass ich lieber in den Metallberuf wieder einsteigen möchte. Ich absolvierte dann einige Wochen ein Praktikum beim Jade-Dienst, bei dem ich auch selbst viele Tätigkeiten in den gängigsten Arbeiten eines Konstruktionsmechanikers ausführen durfte – vom Arbeiten mit einem Winkelschleifer über Schweißen bis zum autogenen Brennschneiden.

Für mich ist der Hafen von großer Bedeutung, da er die Welt verbindet. Wir haben so viele verschiedene und abwechslungsreiche Aufgabenfelder und Aufträge, dass jeder Tag anders ist.Ich fühle mich in der Hafenwirtschaft sehr gut aufgehoben und kann mir auch vorstellen, hier zukünftig zu arbeiten.“

„Als es bei mir um die Wahl der Ausbildung ging, habe ich mich schlaugemacht, welche Berufe besonders zukunftssicher sind. Für die Ausbildung als Berufskraftfahrer habe ich mich genau aus diesem Grund entschieden: Er ist ziemlich zukunftssicher.

Außerdem kann man viele weitere Berechtigungsscheine wie ADR und BF3 machen und so immer etwas anbieten. Mir gefällt, dass der Job sehr vielfältig ist. Und da ich ausschließlich im Nahverkehr arbeite, bin ich auch viel draußen – das mag ich ebenfalls. Und dass ich jeden Abend zu Hause bin, ist mir auch sehr wichtig. Während der Ausbildung war ich zwei Wochen im Büro in der Disposition, aber das ist nicht so mein Ding. Ich bin lieber unterwegs und mag die viele Abwechslung.

Meine Freunde finden den Job alle sehr spannend und interessant – nur die Arbeitszeiten schrecken sie ab. Der Hafen hat in meiner Generation ein sehr gutes Image, weil er eine unendlich große Vielfalt an Berufen bietet und man sehr große Chancen hat, sich beruflich weiter zu entwickeln. Ganz wichtig sind attraktive Arbeitszeiten und eine gute Bezahlung. Auch eine Viertagewoche wäre prima.“

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Niclas Hiller

Alter: 23
Ausbildungsberuf: Berufskraftfahrer
Ausbildungszeitraum: 2021 bis 2024
Arbeitgeber: Glomb
Ort: Bremerhaven

Maximilian Henning

Alter: 26
Ausbildungsberuf: Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung
Ausbildungszeitraum: 2022 bis 2024
Arbeitgeber: Alexander Global Logistics
Ort: Bremen

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„Erstmals auf Logistik und Spedition bin ich durch ein Betriebspraktikum und meinen in der Logistik tätigen Vater aufmerksam geworden. Ich habe eine Weile Chemie- und Pharmalogistik studiert, wo viel Wissen, aber wenig Praxis vermittelt wurde. In einer dualen Ausbildung geht es hingegen um die direkte Verknüpfung von Theorie und Praxis. Faszinierend an der Logistik und dem Speditionswesen finde ich, dass man die ganze Branche vor Augen hat.

Über vieles in der Logistik wird beiläufig geredet und nachgedacht. Natürlich, bei Ereignissen wie der im Suezkanal feststeckenden „Ever Given“ gibt es Interesse. Aber die direkten oder langfristigen Folgen einer nur kurzen Blockade an einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt werden oft nicht weiter beachtet. Die Rolle des reibungslosen Ablaufs während des Transports und des Be- und Entladens wird unterschätzt.

Insgesamt ist die Logistik- und Speditionsausbildung ganz gut aufgestellt. Besonders die großen Unternehmen neigen aber dazu, sich organisatorisch zu stark zu unterteilen, sodass es für Azubis schwierig wird, während ihrer Ausbildung alle Abteilungen zu sehen.

Und auch wenn das Gehalt angehoben wurde, ist es einigermaßen knapp, wenn alle Lebenskosten allein getragen werden. Das Gehalt gehört nun mal zu den ersten Aspekten, die Bewerbern ins Auge fallen.“

„Ich habe mich für diesen Ausbildungsberuf entschieden, weil mich die Vielfalt der Tätigkeiten bei Cuxport sehr angesprochen hat. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch die Agentur für Arbeit. Meiner Meinung nach hat die Hafen- und Logistikbranche in meiner Generation einen nicht so hohen Stellenwert, weil fast niemand diesen Berufszweig kennt. Viele junge Leute, die eine Ausbildung anfangen wollen, achten nur darauf, dass sie mit wenig Arbeit viel Geld verdienen, oder sie wollen studieren. Dadurch fehlen viele Auszubildende in unserer Branche. Vielleicht sollten junge Leute mal darüber nachdenken, wie das iPhone oder die Playstation von China nach Deutschland kommen, der Container fliegt ja nicht hierher.

Fast 90 Prozent der Waren werden von dort per Schiff importiert und dazu meist in Containern umgeschlagen. Zum Teil werden diese von uns Hafenarbeitern im Hafen geöffnet und entladen, um die Ware auf Lkw umzuladen. Wir sind ein wichtiger Bestandteil vieler Lieferketten, und ohne uns würde nichts laufen.

Um die Branche attraktiver zu machen, müsste man anfangen, mehr Werbung zu machen, damit junge Menschen überhaupt wissen, dass es diesen spannenden und abwechslungsreichen Ausbildungsberuf gibt. Viele können sich unter dem Ausbildungsberuf nichts Richtiges vorstellen.“

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Rebecca Reisen

Alter: 18
Ausbildungsberuf: Fachkraft für Hafenlogistik
Ausbildungszeitraum: 2021 bis 2024
Arbeitgeber: Rhenus Cuxport
Ort: Cuxhaven