Hightechlösungen aus der Unterwasserperspektive
Mit mehr als 120 Jahren Erfahrung in den Bereichen Hydroakustik, Sensorik und Informationstechnologie ist TKMS Atlas Elektronik, ein Segment der TKMS Group, ein gefragter Ausrüster für zahlreiche Marinen, aber auch für zivile Kunden. Dabei reicht das Leistungsportfolio von Sonarsystemen, Führungssystemen und Kommunikationsanlagen für Unter- und Überwasserschiffe über Schwergewichtstorpedos und Minenjagdwaffen bis hin zu hydrografischen Vermessungssystemen.
Fotos: TKMS
Die Ursprünge von TKMS Atlas Elektronik gehen auf die Gründung der Norddeutschen Maschinen- und Armaturenfabrik im Jahr 1902 zurück. Nur drei Jahre später gingen daraus die Ingenieurbüros für Unterwasser- und Schalltechnik hervor, die sich auf die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Hydroakustik konzentrierten. Die ersten Innovationen, mit denen das Bremer Unternehmen im Markt punktete, waren das „Atlas-Echolot“, das für die Südatlantik-Vermessung des deutschen Forschungsschiffs „Meteor“ von 1925 bis 1927 unverzichtbar war, und eine Unterwasser-glocke, die gemeinsam mit einem Partner aus den Vereinigten Staaten entwickelt wurde.
„Da die alliierten Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg eine vollständige Entmilitarisierung der deutschen Kriegswirtschaft anstrebten, waren die Kollegen damals gefordert, ihre Aktivitäten zu diversifizieren und eine neue Ära einzuleiten“, erläutert Michael Ozegowski, Executive Vice President von Atlas Elektronik. Somit habe sich das Unternehmen ab 1945 auf die Herstellung von Echoloten für die Fischerei sowie auf die Entwicklung von medizinischen und industriellen Ultraschallprodukten konzentriert. Ab den 1960er-Jahren kehrte man dann, Schritt für Schritt, in den Verteidigungsbereich zurück und sicherte sich unter anderem Aufträge für den Feuerleitcomputer des Leopard-Panzers und für Trainingssimulatoren des U-Boot-Typs 206. Inzwischen fußt der Erfolg des Unternehmens, das seit 2025 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von TKMS ist, vor allem auf seiner Sonarkompetenz im Unter- und Überwasserbereich sowie seinem Know-how zu integrierten Führungs- und Waffeneinsatzsystemen.
Defence-Expertise als Basis für zivile Projekte
„Wir verstehen uns bei TKMS als Systemanbieter und maritimes Powerhouse. Wir bauen nicht nur U-Boote und Schiffe, sondern können diese auch – insbesondere durch die Kompetenzen von Atlas Elektronik – mit Sensoren und Effektoren für die maritime Verteidigung ausstatten und unsere Kunden mit dem entsprechenden Full-Service-Support versorgen“, so Ozegowski. Möglich machen dies über 9.100 Beschäftigte bei TKMS, davon rund 2.800 im Segment Atlas Elektronik; rund 80 Prozent von ihnen sind Ingenieure, Techniker und Facharbeiter. Viele dieser Experten verfügen als Marineoffiziere zudem über ein ausgeprägtes technisches Hintergrundwissen. „Ihre Defence-Expertise kommt uns natürlich auch bei zivilen Projekten zugute, zum Beispiel wenn es darum geht, den Bau von Offshore-Windparks zu unterstützen oder das Verlegen von Unterwasserkabeln zu erleichtern“, umreißt der Manager und verweist auf das hauseigene Produkt „SeaCat“. Hierbei handelt es sich um ein autonomes Unterwasserfahrzeug, das bis zu 600 Meter tief tauchen kann, um beispielsweise Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Meeresbodens zu liefern. „Dennoch liegt unser Fokus klar auf der Defence-Seite“, unterstreicht Ozegowski.
Das zeigt sich auch beim Blick auf einige Erfolgsprojekte der jüngsten Vergangenheit. So feierten TKMS und Atlas Elektronik im Dezember 2025 den bisher größten Torpedoauftrag in der Konzerngeschichte. Er umfasst die Lieferung von zahlreichen DM2A5-Schwergewichtstorpedos inklusive dem dazugehörigen Equipment für U-Boote der Klasse 212CD an die Bundeswehr. Und im Februar dieses Jahres hat man zusammen mit Israel Aerospace Industries (IAI) den Demonstrator eines autonomen Unterwasserfahrzeugs (AUV) an die deutsche Marine übergeben. Das Projekt, das den Namen „BlueWhale“ trägt, vereint Aufklärung, Sensortechnologie und Datenfusion in einem einzigen System und erkennt Ziele über und unter der Meeresoberfläche. Gleichzeitig sammelt es akustische Informationen und kann Seeminen aufspüren.
Gut gefülltes Auftragsbuch
Insgesamt resümiert Ozegowski: „Unser Orderbuch ist gut gefüllt. Im Moment gilt es für TKMS, Aufträge im Wert von über 18 Milliarden Euro abzuarbeiten.“ Bei allem Optimismus aus wirtschaftlicher Sicht treibt auch ihm die aktuelle Weltlage Sorgenfalten ins Gesicht. Dennoch betont er: „Unsere Aufträge sind relativ unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen oder möglichen Konflikten. Denn unsere Kunden planen in der Regel langfristig und bestellen ein U-Boot samt Ausrüstung ja nicht für übermorgen.“ Dementsprechend vorausschauend agieren die Bremer in ihren Planungen. So stehen in den nächsten Jahren insbesondere die verstärkte Einbindung von KI, die weitere Ergänzung bemannter Fahrzeuge durch autonome Einheiten und die Konzentration auf sogenannte Multi-Domain-Operations auf der To-do-Liste. „Mit Letzteren tragen wir der Anforderung Rechnung, dass Führungssysteme auf und unter Wasser noch besser mit den Einheiten an Land und in der Luft vernetzt werden sollen“, so Ozegowski. Mehr kann und darf er nicht verraten. Denn in dieser Branche gehört es zum guten Ton, über sensible Informationen und technische Details Stillschweigen zu bewahren. (bre)
„Wir verstehen uns als Systemanbieter und maritimes Powerhouse.”
Michael Ozegowski, Executive Vice President TKMS ATLAS ELEKTRONIK
Fakten
TKMS Atlas Elektronik
Gründung: 1902 als Norddeutsche Maschinen-
und Armaturenfabrik
Zugehörigkeit: seit 2025 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft und Segment von TKMS
Beschäftigte: 2.800, davon über 2.000 in Deutschland
Leistungsportfolio: Sensoren, Systeme zur Signalverarbeitung, Sonar- und Führungssysteme, Effektoren, Navigationssysteme, Torpedos,
Seeminen, autonome Unter- und Überwasserfahrzeuge, hydrografische Vermessungssysteme, Services





