Projektladung braucht Fläche, Umschlags-Know-how und einen, der Verantwortung übernimmt. Die Ems Ports Agency & Stevedoring Beteiligungsgesellschaft (Epas) in Emden und die Dörpener Umschlaggesellschaft für den kombinierten Verkehr (DUK) zeigen, wie ein See- und Binnenhafen sowie ein Binnenstandort so zusammenspielen können, dass alle profitieren – Kunden wie Dienstleister.
Fotos: EPAS
Jeder von Ihnen bringt Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen der Logistik in das Projekt ein. Epas ist ein Hafen- und Logistikdienstleister, der seit 1993 auf einer Fläche von 20 Hektar am Emder Nord- und Südkai mit Schwerpunkt Schiffsabfertigung sowie Projekt- und Schwergutlogistik tätig ist. Die DUK betreibt in Dörpen seit 1989 einen Standort für kombinierten Verkehr (KV) mit Containerumschlag und Lagerung.
Schnell entstanden aus dem Geschäftskontakt konkrete Pläne. „Ein Kunde, mit dem wir bereits im Gespräch waren, wollte für den Trassenbau für Erd-kabel Hunderte Kabeltrommeln bei uns lagern, aber wir hatten dafür in Emden in dieser Größenordnung nicht ausreichend Kapazität“, erinnert sich Siebahn. So entstand die Idee, durch die Partnerschaft mit der DUK in Dörpen Projekte zu realisieren, die für Epas allein zu groß waren. Dort stehen derzeit 20.000 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung.
„Für uns als Hafenunternehmen ist es wichtig, dass die Waren schnell umgeschlagen werden“, unterstreicht Siebahn, „wir leben von der Schiffsabfertigung.“ Eine Zusammenarbeit habe im beiderseitigen Interesse gelegen. „Wir wollten natürlich das Geschäft gewinnen, und bei der DUK war die dazu benötigte Kapazität vorhanden, weil dort das Kerngeschäft derzeit etwas rückläufig ist – eine perfekte Synergie“, stellt der Epas-Geschäftsführer heraus. „So kann unser Partner mit uns wachsen.“
„Die Zusammenarbeit zeigt, wie sich Seehafen und Binnenstandort sinnvoll verzahnen lassen“, sagt Nintemann. „Epas bringt große Stärke in der Projektlogistik und Schiffsabfertigung mit, wir ergänzen das durch zusätzliche Flächen und operative Kapazität im Hinterland.“ Gemeinsam ließen sich so auch größere und langfristige Projekte realisieren.
Erstes gemeinsames Projekt
Für die Zusammenarbeit unterzeichneten beide Unternehmen eine Kooperationsvereinbarung, wenig später folgte ein Vertrag für das erste gemeinsame Projekt. Von 2027 bis 2029 werden in Dörpen, das als Hub für Epas fungiert, insgesamt 800 Kabeltrommeln mit 60 bis 80 Tonnen Gewicht eingelagert. „Unser Vorteil ist, dass wir nicht auf der grünen Wiese anfangen, sondern bereits vorhandene Infrastruktur nutzen“, erläutert Siebahn. Dazu zählt der Binnenschiffsumschlag, der durch den Einsatz von eigens für die DUK entwickelten Reachstackern erheblich vereinfacht wird und besonders effizient ist. Zudem verfügen beide Partner über die erforderliche Erfahrung mit größeren Projekten.
„Die Entwicklung zeigt, wie eine gute Zusammenarbeit zwischen See‑ und Binnenhafen funktionieren kann“, ergänzt Nintemann. „Entscheidend für das Projekt ist, dass wir auf bestehender Infrastruktur und gewachsenem Projekt‑Know‑how aufbauen können.“ Flächen, Technik und Abläufe seien bereits auf schwere und sperrige Güter ausgelegt und könnten bei Projektstart die geplanten Mengen aufnehmen. „Diese Erfahrung in der Vorbereitung ist ein wesentlicher Vorteil der Zusammenarbeit“, sagt Nintemann.
Fakten
Ems Ports Agency & Stevedoring Beteiligungsgesellschaft (Epas)
Gründung: 1994
Firmensitz: Emden
Geschäftsfeld: Hafen- und Logistikdienstleister, unter anderem Schiffsagentur, Hafenservices, Terminal-, Stauerei-, Lager-, Projekt- und Schwergutlogistik, Befrachtung und Chartering sowie Offshore-Services, Zoll- und Gefahrgut-Handling
Fläche: 200.000 Quadratmeter
Abfertigung: über 700 Schiffe pro Jahr
Mitarbeiter: über 100 Beschäftigte
Umsatz 2024: rund 15 Millionen Euro
Das Angebot zielt auf Kunden mit Projekten im nahe gelegenen Dörpen ab, ebenso wie auf Projekte mit einer guten Erreichbarkeit über Binnenhäfen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus kann der Seehafen Emden genutzt werden. Die Strecke zwischen Emden und Dörpen beträgt rund 90 Kilometer, sodass laut Siebahn zwei bis drei Rundläufe pro Woche geplant sind. Höhere Kosten aufgrund des doppelten Umschlags müssten Kunden laut Siebahn nicht befürchten: „Wir liegen mit unseren Preisen auf Marktniveau, weil sich diese im Rahmen der Gesamttransportbetrachtung relativieren“, unterstreicht der Epas-Geschäftsführer.
Sich ergänzende Kompetenzen
Die besondere Stärke der Zusammenarbeit sieht Siebahn darin, dass die DUK selbst im Umschlag tätig ist und über das entsprechende Know-how verfügt. Der Fokus eines Seehafens sei ein anderer. „Wir haben dadurch Projekterfahrung mit großen Konzernen und sind nach ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001 und ISO 27001 zertifiziert – und zusätzlich nach der Safety Culture Ladder, die die Sicherheitskultur in einem Unternehmen bewertet“, betont Siebahn. Dazu gehört auch, dass das Tendermanagement bei Epas im Umgang mit großen Ausschreibungen auf langjährige Erfahrung zurückgreifen kann.
„Bei solchen Projekten mit regionalen Partnern zusammenzuarbeiten, die das allein nicht abbilden könnten, ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, sagt Siebahn. Das eröffnet zudem die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Aus seiner Sicht ist dabei vor allem wichtig: „Die Gesamtverantwortung bleibt jedoch stets bei uns – als Partner und Single Point of Contact für die Kunden.“ Damit ein solches Logistikkonzept erfolgreich umgesetzt werden kann, bedürfe es einer präzisen Abstimmung, klarer Schnittstellen und Ansprechpartner im Innen- und Außenverhältnis. „Gute Kommunikation im Rahmen des Netzwerks ist die Voraussetzung“, stellt der Geschäftsführer heraus. Wenn es funktioniert, ermöglicht das viele Chancen bei geringen Risiken.“ (cb)
Fakten
Dörpener Umschlaggesellschaft für
den kombinierten Verkehr (DUK)
Gründung: 1989
Firmensitz: Dörpen
Geschäftsfeld: kombinierter Ladungsverkehr, Containerumschlag und Lagerung, Containerservices, Containeran- und verkauf, Hafenumschlag sowie Spedition und Verzollung
Mitarbeiter: 30 Beschäftigte
Umsatz 2024: rund vier Millionen Euro





