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Magazin für Häfen, Schifffahrt und Logistik

Partnerschaft als Marktvorteil

Die einen sprechen von Kooperationen und Netzwerken, die anderen von Allianzen. Doch egal, welche Begrifflichkeit gewählt wird, dahinter steht immer der Gedanke der Bündelung von Stärken – um beispielsweise Risiken zu teilen, Kosten zu senken oder den Zugang zu neuen Märkten zu erhalten. Gerade in Zeiten komplexer globaler Herausforderungen, wie wir sie gegenwärtig erleben, scheint sich diese Art der Zusammenschlüsse zu einer effizienten (Überlebens-)Strategie zu entwickeln.

Fotos: Hapag-Lloyd, istock/Dmitrii Guzhanin , NPORTS, BLG LOGISTICS, MCN, BLG Siempelkamp, MSC, Breb, Cuxport
Im Februar 2025 startete die Gemini Cooperation – eine operative Partnerschaft zwischen den Containerreedereien Hapag-Lloyd und Maersk. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein globales Netzwerk mit 29 Mainliner- und 29 Shuttlediensten. Hapag-Lloyd spricht gern von einem Hub-and-Spoke-Modell (deutsch: „Nabe und Speiche“), da über zentrale Knotenpunkte – die Hubhäfen – speichenförmig die regelmäßigen Shuttleverbindungen abgehen. „Das ermöglicht eine bessere Auslastung der Flotte, klar definierte Umläufe und stabilere operative Abläufe“, umreißt Axel Luedeke, Managing Director Network and Cooperations bei Hapag-Lloyd, die Vorteile der Gemini Cooperation, über die derzeit rund 340 Schiffe beider Partner im Einsatz sind.

Dementsprechend positiv fällt auch Luedekes Bilanz nach knapp einem Jahr aus: „Das Ergebnis ist genau das, was wir uns von der Kooperation versprochen haben: eine deutlich höhere Fahrplanzuverlässigkeit, spürbar weniger Hafenauslassungen und eine klare Verbesserung der gesamten Servicequalität. Unsere Fahrplanzuverlässigkeit von 90 Prozent setzt neue Maßstäbe in der Branche.“ Zudem seien für dieses Jahr weitere Optimierungen geplant, ohne dass die bestehende Abdeckung verändert wird. Dazu gehört unter anderem ein zusätzlicher Hafenanlauf in Wilhelmshaven, der seit Ende Januar 2026 in den „Indian Ocean Service“ (IOS) der Partner integriert wurde.

Doch was bewegt Reedereien im Allgemeinen und Hapag-Lloyd im Besonderen, Kooperationen dieser Art einzugehen? Für Luedeke liegt die Antwort auf der Hand: „Die Komplexität globaler Lieferketten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Kooperationen helfen Reedereien, Netzwerke effizienter zu strukturieren, Risiken zu teilen und die Qualität für Kunden zu verbessern.“ Gerade Letzteres besitzt für Hapag-Lloyd eine besondere Bedeutung, denn im Rahmen ihrer „Strategie 2030“ hat sich die Hamburger Reederei zum Ziel gesetzt, die „Undisputed Number One for Quality“ zu werden, so Luedeke. Dabei stellt er klar: „Bei Gemini handelt es sich um eine rein operative Partnerschaft. Wettbewerb findet zwischen Maersk und uns auch weiterhin statt.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass gewisse Parameter erfüllt sein müssen, damit eine Partnerschaft dieser Art auch wirklich funktioniert. „Dafür braucht es vor allem klare gemeinsame Ziele, gegenseitiges Vertrauen und eine offene Kommunikation. Wichtig ist, dass Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege eindeutig definiert sind.“

Lob für die Gemini Cooperation

Bereits vor dem Start der Gemini Cooperation hatte Hapag-Lloyd Chief Executive Officer Rolf Habben Jansen prognostiziert, dass sich das Ladungsaufkommen der deutschen Häfen durch die Kooperation „insgesamt positiv entwickeln werde“. Die aktuelle Ist-Analyse scheint seine Aussage zu bestätigen. So sagt NPorts-Geschäftsführer Holger Banik: „Man sieht, dass Hapag-Lloyd richtig Lust auf den JadeWeserPort hat. Denn durch die Anläufe der Gemini Cooperation sind unsere Umschlagszahlen deutlich gestiegen.“ Zusätzlich unterstreicht er diese Aussage mit dem Verweis darauf, dass Wilhelmshaven für viele Dienste der Gemini Cooperation der „First Port of Call“ aus China nach Europa ist. „Diese Entscheidung der Partner sowie die Taufe und Namensgebung des Hapag-Lloyd-Containerschiffs ‚Wilhelmshaven Express‘ im Oktober 2025 im JadeWeserPort sind starke Signale der Wertschätzung für Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen“, so Banik.

Gleich für mehrere Standorte hat Steffen Leuthold, Leiter für Unternehmenskommunikation bei EUROGATE, positive Effekte der Gemini Cooperation ausgemacht: „Generell können wir festhalten, dass das Geschäftsjahr 2025 ein durchweg positives für EUROGATE war. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war die neugebildete Gemini Cooperation, die mit dem EUROGATE Container Terminal Wilhelmshaven und dem North Sea Terminal Bremerhaven gleich zwei unserer Terminals zu internationalen Hubterminals in ihrem Netzwerk auserkoren hat und an diesen auch für deutlich mehr Umschlag sorgt. Aber auch unsere EUROGATE-Terminals in Bremerhaven und Hamburg profitieren als Common User Terminals von dieser neuen Partnerschaft, ebenso wie von anderen Reederkunden und -allianzen.“

„Die Qualität der Zusammenarbeit an den Schnittstellen entscheidet“

Seit Anfang 2025 leitet Matthias Magnor als Chief Executive Officer (CEO) die Geschicke des Seehafen- und Logistikdienstleisters BLG LOGISTICS. Für ihn steht fest: „Stabile Netzwerke und Kooperationen sind für uns strategische Hebel. In komplexen Lieferketten entscheidet nicht nur die operative Exzellenz, sondern die Qualität der Zusammenarbeit an den Schnittstellen.“ Unter dieser Prämisse geht sein Unternehmen regelmäßig langfristige und vertrauensvolle Partnerschaften entlang der gesamten Lieferkette ein – mit Industrie und Handel, Reedereien, Terminal- und Infrastrukturpartnern sowie Technologieanbietern.

Wie solche Partnerschaften aussehen können, zeigte im vergangenen Jahr beispielsweise der Door-to-Door-Transport einer hochmodernen Holzpresse von Bremen über den Atlantik in die USA. Für den internationalen Transport der komplexen Anlagenteile übernahm der Anlagenbauer Siempelkamp das Logistikmanagement, während UTC Overseas als Projektspediteur die Seefracht und den Weitertransport der Holzpresse vom Hafen in Longview bis zur Roseburg-Baustelle in Oregan organisierte. Die seetaugliche Verpackung der empfindlichen Komponenten wurde bei dem Projekt durch PTS Logistics sichergestellt, und der zentrale Umschlag im Neustädter Hafen erfolgte unter der Regie von BLG LOGISTICS. Den anschließenden Überseetransport übernahm BBC Chartering, das mit seinem Schwergutschiff „BBC Aquamarine“ die gesamte Fracht in einem einzigen Gesamtcharter über den Atlantik brachte.

„Derartige Kooperationen funktionieren nur, wenn Verantwortung übernommen, Informationen offen ausgetauscht und Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden. Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist dabei kein Anspruch, sondern eine Voraussetzung“, resümiert Magnor nicht nur im Rückblick auf diese über 10.000 Frachttonnen schwere Projekt-logistikverladung, sondern auch mit Blick auf die weiteren Kooperationen der Gruppe.

Portrait Foto von Axel Luedeke

„Die Komplexität globaler Lieferketten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.“

Axel Luedeke, Managing Director Network and Cooperations bei Hapag-Lloyd

Portrait Foto von Holger Banik

„Das sind starke Signale der Wertschätzung für Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen.“

Holger Banik, Geschäftsführer JadeWeserPort-Realisierungs GmbH & Co. KG

Mit dem Schwergutschiff „BBC Aquamarine“ wurde die gesamte Fracht in einem einzigen Gesamtcharter vom Neustädter Hafen über den Atlantik nach Oregon gebracht.

Neue Lösungen gemeinsam entwickeln und vorantreiben

Seit 2011 haben sich die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zum Maritimen Cluster Norddeutschland (MCN) zusammengeschlossen. Ihnen folgten drei Jahre später Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. „Inzwischen verfügt unser Netzwerk über mehr als 350 Mitglieder, die übergreifend über alle fünf Bundesländer zusammenarbeiten und die gesamte Palette der maritimen Wirtschaft abdecken“, berichtet Dr. Susanne Neumann, Leiterin der MCN-Geschäftsstelle in Niedersachsen. Als ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit unter dem Dach des MCN führt sie das ZIM-Innovationsnetzwerk ShipRec an, das 2024 als Expertenplattform für nachhaltiges Schiffsrecycling unter tatkräftiger Mitarbeit der Netzwerkagentur EurA ins Leben gerufen wurde und das derzeit neben dem MCN über 14 Netzwerkpartner verfügt. Dazu gehören unter anderem Turbo-Technik, GSR Services, EWD Benli Recycling, HB Hunte Engineering sowie das BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik und das Leibniz-Zentrum für Maritime Tropenforschung (ZMT). Sie alle haben sich auf ihre Fahnen geschrieben, in Deutschland eine tragbare Alternative zu den unzureichenden Bedingungen zu entwickeln, unter denen ausgediente Schiffe häufig durch Niedriglohnländer demontiert werden.

„Das ShipRec-Netzwerk stellt eine zentrale Plattform für die maritime Community dar, um Innovationen, Technologien und konkrete Projekte zur Förderung einer nachhaltigeren Schiffsrecyclingindustrie voranzutreiben. Diese Aufgabe hat sich uns unter anderem gestellt, weil die Bedeutung des Schiffs-recyclings für die Gewinnung vom Sekundärrohstoffen für die Stahlbranche in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist“, betont Andreas Born, Leiter der MCN-Geschäftsstelle in Bremen, und ergänzt: „In Bremen wurde 2023 eine Potenzialstudie durchgeführt, die ein Schiffsrecyclingpotenzial von 20 bis 25 Schiffen pro Jahr aufzeigt. Das wären rund 10 bis 15 Prozent des Bedarfs an Stahlschrott von ArcelorMittal in Bremen.“

Ein altes Schiffe liegen bei einer Abwrackwerft
Das harte Geschäft der Schiffsverwerter dokumentierten die Mitglieder des ShipRec-Netzwerkes unter anderem auf der dänischen Abwrackwerft Smedegaarden Ship Recycling.
Portrait Foto von Matthias Magnor

„Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist kein Anspruch, sondern eine Voraussetzung.“

Matthias Magnor, Chief Executive Officer (CEO) bei BLG LOGISTICS

Portrait Foto von Dr. Susanne Neumann

„Die Arbeit hat gezeigt, wie wichtig kontinuierlicher Erfahrungsaustausch ist.“

Dr. Susanne Neumann, Leiterin der MCN-Geschäftsstelle in Niedersachsen

Regelmäßig werden Waren mit dem gemeinsamen Dienst von DFDS und Rhenus Cuxport zwischen Deutschland und England transportiert.
„Auf einem Fachsymposium des MCN wurde Ende 2023 neben dem Wunsch einer genehmigungsrechtlichen Vereinheitlichung des Schiffsrecyclings in den Küstenbundesländern auch der Bedarf an Innovationsprojekten herausgearbeitet. Diesen Wunsch aufgreifend hat das MCN eine Community aufgebaut, die an neuen Lösungen einer maritimen Kreislaufwirtschaft arbeitet“, so Born. Zwei Unternehmen haben sich dabei als federführend im Markt hervorgehoben. So erhielt EWD Benli Recycling in Emden im Mai 2025 als erste deutsche Werft die Genehmigung für den Rückbau von Schiffen auf deutschem Boden. „Und die Bremerhavener Lloyd Werft befindet sich ebenfalls im Genehmigungsprozess“, umreißt Neumann die aktuellen Entwicklungen. „Die Arbeit am Thema Schiffsrecy-cling hat gezeigt, wie wichtig der kontinuierliche Erfahrungsaustausch untereinander ist. Dabei bietet das ShipRec-Netzwerk eine Reihe von Vorteilen: Neben Branchen-Insights und strategischen Partnerschaften gehören auch der Zugang zu neuen Märkten und die Teilhabe an der Entstehung neuer Lieferketten dazu. Außerdem hilft es in vielen Fällen schon, die Expertise anderer Teilnehmer aus dem maritimen Umfeld einzuholen“, gibt Neumann zu bedenken.

Gute Kontakte und „Kuchengarantien“

Für Kapitän Arne Ehlers, den Vorsitzenden der Hafenwirtschaftsgemeinschaft (HWG) Cuxhaven sowie Geschäftsführer der Reederei BREB und des Hafendienstleisters Blue Water BREB, ist die Strategie, auf Kooperationen zu setzen, alles andere als neu: „Der Handel und die Schifffahrt haben immer schon davon gelebt, dass sie gute internationale Kontakte hatten und entsprechende Allianzen eingegangen sind.“ Dabei fasst er den Kooperationsbegriff deutlich weiter als die Experten vor ihm und lobt: „Alle hafenspezifischen Entwicklungen in Cuxhaven sind gemeinschaftlich und im breiten Konsens angestoßen worden. Dabei spreche ich nicht nur von der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft, sondern insbesondere von der Verwaltung. Hier macht NPorts einen tollen Job. Das gilt zum Beispiel für den Bau des Deutschen Offshore-Industrie-Zentrums Cuxhaven mit den Liegeplätzen 8 sowie 9.1 bis 9.5, aber auch für die derzeitige Hafenerweiterung mit den Liegeplätzen 5 bis 7, mit denen der Seehafen Cuxhaven als Standort für die Windkraftindustrie gestärkt wird.“

Direkt danach sprudelt geradezu eine Vielzahl von Beispielen für gelungene Kooperationen in Cuxhaven aus ihm heraus – mal im RoRo-Verkehr, dann bei Windenergieanlagen und Projektladungen oder auch für den Fischereistandort. Besonders eng begleitet hat er natürlich die Entwicklung von Blue Water BREB. Das Joint Venture der deutschen Reederei BREB und des dänischen Logistikexperten Blue Water Shipping wurde 2016 unter seiner Führung gegründet und ist seitdem auf den Umschlag von Windkraftkomponenten und Projektladung spezialisiert. „Ich weiß noch, als viele damals den Kopf geschüttelt haben, dass beide Partner jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Doch die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns gezeigt, wie gut es ist, wenn wichtige Geschäftsentscheidungen nur gemeinsam getroffen werden und dass niemand dabei ‚overruled‘ wird“, so Ehlers.

Ebenfalls als Erfolgsprojekt stuft der Hafenvertreter den von DFDS und Rhenus Cuxport gemeinsam betriebenen England-Dienst ein. Die Wurzeln dieses Shortsea-Verkehrs reichen zurück bis in die 70er-Jahre. Mit der Inbetriebnahme des Cuxport-Terminals im Jahr 1997 wurde die Zusammenarbeit im RailRoCargo-Bereich auf eine neue Stufe gehoben und zur erfolgreichsten Schifffahrtslinie zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich entwickelt – mit zwischenzeitlich bis zu acht Abfahrten wöchentlich. „Die Fähigkeiten von DFDS als einem der größten und führenden Shortsea-Operateure in Nordeuropa und von Rhenus Cuxport als multimodalem Terminal an der deutschen Nordseeküste ergänzen sich perfekt, um Güter aller Art nach Großbritannien zu verschiffen“, so Ehlers. Und dann schiebt er mit einem Lächeln ein Argument hinterher, das viele Kooperationsgegner „entwaffnen“ könnte: „Na ja, wenn ich es schaffe, Teil eines erfolgreichen Zusammenschlusses zu sein, dann bekomme ich auf jeden Fall ein Stück vom Kuchen ab. Andernfalls kann es mir passieren, dass ich am Ende mit leeren Händen dastehe.“ (bre)

Portrait Foto von Andreas Born

„Das ShipRec-Netzwerk stellt eine zentrale Plattform für die maritime Community dar.“

Andreas Born, Leiter der MCN-Geschäftsstelle
in Bremen

Portrait Foto von Arne Ehlers

„Wichtige Entscheidungen werden nur gemeinsam getroffen.“

Kapitän Arne Ehlers, Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft (HWG) Cuxhaven