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Schmuggler müssen sich warm anziehen!

Über die großen europäischen Häfen werden die unterschiedlichsten Waren in Containern verschifft und anschließend ins deutsche Hinterland oder in andere EU-Länder weitertransportiert. Dazu gehören aber nicht nur Güter wie Tablets, Tiefkühlpizzen, Jeans, Autozubehörteile und Werkzeugmaschinen. „Mit der Zunahme der Warenströme nach Europa hat auch die Einfuhr illegaler Waren über den Seeweg zugenommen. Dabei spielt insbesondere der Rauschgiftschmuggel eine große Rolle“, umreißt Yvonne Schamber, Pressesprecherin der Generalzolldirektion.

Fotos: ZOLL, ADOBE/STOCK/HARALD, NATURESTOCK

Um den Schmuggel über die Seewege zu verhindern und zu bekämpfen, wurde vor mehr als 30 Jahren ein flexibles und kooperatives System zum Austausch von länderübergreifenden Informationen eingeführt: das internationale maritime Informationssystem (MAR-INFO). Dieses ist in die zwei regionalen Gewässerbereiche MAR-INFO-SÜD und MAR-INFO-NORD unterteilt, wobei bei Letzterem das Zollkriminalamt den Vorsitz innehat. Über diese Gruppe tauschen sich zahlreiche EU-Länder, unter ihnen Belgien und die Niederlande, sowie Drittstaaten aus – unter anderem auch über aktuelle Entwicklungen bei der Bekämpfung der internationalen Rauschgiftkriminalität. Innerhalb des Zollkriminalamts wird hierzulande der schnelle internationale Erkenntnisaustausch über rund 20 Zollverbindungsbeamte und auf dem Wege der Amts- und Rechtshilfe koordiniert. „Ihre Arbeit und die Abstimmung mit den Kollegen insbesondere in den europäischen Nachbarstaaten sind für die grenzüberschreitende Bekämpfung von organisierter Rauschgiftkriminalität und für die Unterstützung der involvierten Behörden unverzichtbar“, macht die Zollexpertin deutlich. Dabei bringe dieser internationale Erfahrungsaustausch nicht nur operative Vorteile und wichtige Erkenntnisse über neue Entwicklungen, sondern begünstige auch die Ausarbeitung gemeinsamer Strategien und engmaschiger Kontrollen.

Fokus auf Rotterdam, Amsterdam und Hamburg

Aus ihrer Sicht sind grundsätzlich alle Häfen in Europa mögliche Einfallstore für den Rauschgiftschmuggel: „Aufgrund ihrer Größe und der hohen Anzahl ihrer Containerumschläge besitzen jedoch die Seehäfen Rotterdam und Antwerpen, aber auch Hamburg, für die Täter eine „besondere Bedeutung.“ Das hat man beim Zoll erkannt und seine Maßnahmen entsprechend ausgerichtet. Mit Erfolg: So konnten im Hamburger Hafen im Februar 2021, basierend auf der Risikoanalyse mehrerer europäischer Zollbehörden, über 16 Tonnen Kokain sichergestellt werden. Das war die bis dato größte in Europa beschlagnahmte Menge dieser Rauschdroge. Und nur wenige Tage später fruchteten Ermittlungen über das Zollkriminalamt im MAR-INFO-NORD mit der Sicherstellung von 7.200 Kilogramm Kokain im Hafen von Antwerpen.

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Oftmals platzieren die Täter mit Kokain gefüllte Taschen kurz vor dem Verschließen der Box illegal nahe der Containertür. Diese holen sie dann im Zielhafen schnell heraus, um sie unbemerkt am Zoll vorbeizuschmuggeln. Experten sprechen dabei von der sogenannten Rip-off-Methode.

Mit einer terminalmobilen Röntgenanlagen kann der Zoll Container nach unterschied-lichen Gütern zu durchsuchen, die er aus Sicht der Kriminellen eigentlich nicht entdecken sollte. Und das sind nicht nur Drogen.

Kokain-Coup in Bremerhaven

Aber auch Bremerhaven wurde schon von kriminellen Kräften heimgesucht. Diese versuchten im vergangenen Jahr, 328 Kilogramm Kokain in einem mit Stahlschrott beladenen Container aus dem brasilianischen Santos an den Behörden vorbeizuschmuggeln. Ohne Erfolg: Die Menge wurde vom Zoll entdeckt und beschlagnahmt. Zudem gelang es der dänischen Polizei gemeinsam mit dem deutschen Zoll, im Rahmen kriminaltaktischer Folgemaßnahmen neun Personen wegen versuchten Drogenschmuggels festzunehmen. Die Täter waren fest davon ausgegangen, dass das Kokain in Bremerhaven nicht entdeckt worden sei, und hatten dementsprechend versucht, die Ware in Kopenhagen aus dem besagten Container zu entnehmen. Denn dorthin war die Box nach ihrer Umladung in Bremerhaven verschifft worden.

„Diese Beispiele zeigen, wie wichtig die grenzübergreifende Zusammenarbeit ist – und vor allem, dass sie gut funktioniert. Schmuggler sollten sich also in Zukunft warm anziehen“, sendet Schamber ein deutliches Signal. Und das mit gutem Grund: Derzeit werden weitere Strukturen zur internationalen Zusammenarbeit vorangetrieben, in deren Zuge der deutsche Zoll auch mit supranationalen Stellen von Interpol, Europol, der Weltzollorganisation und der EU-Kommission noch enger zusammenarbeiten will.(bre)

So sieht es aus, wenn die terminalmobile Röntgenanlage Kokain im Container aufspürt.

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