Damit bei Schwerguttransporten weniger Leerfahrten entstehen, bringt die digitale Vermittlungsplattform „Heavy Boost“ Ladung und freie Rücktransportkapazität zusammen. IT-seitig entwickelt wurde die im vergangenen Jahr mit dem „BHV-Projektlogistik-Award“ ausgezeichnete Onlineplattform von der Hanseatischen Software-Entwicklungs- und Consulting-Gesellschaft (HEC) aus Bremen.
„2018 haben Heiko Müller und ich uns auf der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft SMM in Hamburg kennengelernt“, erzählt Beckedorf. Bei einem gemeinsamen Spaziergang im Park Planten un Blomen unweit der Messe wurde schnell klar, dass man sich gut ergänzte. „Wir können alles, nur nicht digital“, fasst es Beckedorf zusammen. Und genau das können die IT-Experten der 1988 gegründeten Hanse-atischen Software-Entwicklungs- und Consulting-Gesellschaft (HEC) aus Bremen.
Digitale Plattform gegen Leerfahrten
2019 wurde daher eine Projektgesellschaft gegründet, um IT-Themen voranzutreiben. Als erster Baustein entstand unter Leitung von HEC‑Logistik-IT-Berater Müller und seinem Bremer Team die digitale Plattform „Heavy Boost“, die Leerfahrten reduzieren soll. „Wenn Unternehmen richtig gut aufgestellt sind, liegt der Anteil von Leerfahrten bei etwa 18 bis 20 Prozent. Normalerweise sind es Schätzungen zufolge etwa 50 Prozent.“ Die Idee dahinter: Die Teilnehmer melden nicht ausgelastete Fahrten, um systemseitig eine passende Rückfahrt zu suchen.
Gepoolt werden können standardisierte Aufträge mit Dauergenehmigung – das betrifft rund 80 Pro-zent der Fahrzeuge – sowie Ladungen bis maximal 60 Tonnen. Dazu gehören Komplettladungen, darüber hinausgehende Groß- oder Spezialtransporte sowie Kleinstladungen. Gerechnet wird in Achsen, sodass systemseitig eindeutig ist, welcher Fahrzeugtyp die jeweilige Ladung überhaupt transportieren kann. Mithilfe dieser Standardisierung können die Fahrzeuge dann passgenau mit der Ladung gematcht werden.
„Die Anzahl der Parameter haben wir mit Datum, Start- und Zielort und Fahrzeugklasse bewusst klein gehalten“, erläutert Müller. Das garantiert auch, dass sich die Unternehmen über die Plattform nicht gegenseitig Aufträge „abluchsen“ können. Ein dynamischer Matching-Algorithmus analysiert die Daten in Echtzeit und berechnet fortlaufend passende Tourenkombinationen, damit unnötige Fahrten verringert und Leerfahrten reduziert werden. „Wir sind sozusagen das ‚Parship‘ für den Schwerverkehr“, schmunzelt Beckedorf.
Heiko Müller, Logistik-IT-Berater bei der Hanseatischen Software-Entwicklungs- und Consulting-Gesellschaft (HEC) (links), und Olaf Beckedorf, Vorstandsvorsitzender von Big Move, entwickelten zusammen die Vermittlungsplattform „Heavy Boost“ für den Schwerverkehr.
Passende Touren in Echtzeit
Meldet beispielsweise ein Logistiker eine Leerfahrt von Berlin nach München, sucht der Algorithmus nach kompatiblen Transporten auf dieser Strecke, aber auch auf passenden Teilstrecken wie von Hannover nach Ulm. „Dadurch werden die Leerkilometer entweder vollständig oder teils reduziert“, erläutert Beckedorf das Prinzip. Das Ergebnis ist eine höhere Effizienz der Transportflotte und niedrigere Betriebskosten. „Die Plattform ist eine Investition in die digitale Wettbewerbsfähigkeit“, stellt Müller heraus.
Für die Logistiker entsteht dabei kein zusätzlicher IT‑Aufwand. „Wir haben eine Schnittstelle zu den Transportmanagementsystemen der Spediteure entwickelt“, erläutert Müller. Es ist wichtig, dass möglichst viele Aufträge reinlaufen, da dadurch die Wahrscheinlichkeit von Matches steigt. Wie viele das sind, schwankt erheblich. „Wir haben pro Woche zwischen etwa 1.000 und 2.000 Aufträge im System, was sich stark auf die Matchingquote auswirkt“, berichtet Müller. „Im Schnitt liegt diese bei zehn Prozent.“ Ein Monitoring, ob diese Transporte tatsächlich gefahren wurden, gibt es nicht. „Unser Portal dient nur der Anbahnung, und die haben wir bewusst niedrigschwellig als Angebot auf freier und offener Basis gestaltet, damit die Eigenverantwortung der Unternehmen gewährleistet ist.“
Die Investitionen für die Plattform lagen im sechsstelligen Bereich. Auch der zeitliche Aufwand war hoch, schließlich wurde alles selbst konzipiert und entwickelt. „In den ersten drei Jahren saßen wir zu dritt wöchentlich mehrere Stunden zusammen“, erinnert sich Beckedorf. Zwischen 3 und 15 Personen arbeiteten an dem Projekt. Ganz wichtig sei auch der Austausch mit Mitarbeitern aus der Disposition als auch mit Geschäftsführern gewesen, um den genauen Bedarf zu erfassen.
2025 wurde dieses Engagement mit dem „BHV-Projektlogistik-Award“ belohnt. Inzwischen denkt Beckedorf schon weiter: „Wir prüfen eine europäische und globale Expansion.“ Zudem soll künftig künstliche Intelligenz (KI) dabei helfen, Ladungshotspots zu ermitteln. (cb)
Fakten
Heavy Boost
Plattform für automatische Tourenoptimierung und Leerfahrtvermeidung in der Schwerlastlogistik
Start: 2019
Sitz: Wustermark (Brandenburg)





