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Tiefe Schätze erkunden

Der Einstieg in den Tiefseebergbau ist für beide Partner Neuland, aber ihr Know-how ergänzt sich perfekt: Die Bremer Reedereigruppe Harren & Partner steuert für das 2021 gegründete Joint Venture Seabed Mineral Services die erforderlichen Schiffe bei, Bauer Maschinen aus Bayern die technische Expertise.

Sulfide sind chemische Verbindungen aus Schwefel und Metall. In Massivsulfiden kommen unter anderem Eisensulfid (Pyrit), Kupfersulfid (Chalkopyrit), Zinksulfid (Sphalerit) und Sulfide anderer Metalle wie Gold und Silber vor. Besonders der relativ hohe Gehalt an Edelmetallen macht die Massivsulfide für den Meeresbergbau interessant.

An Rohstoffe dachte zunächst niemand, als 1979 die ersten „Schwarzen Raucher“ entdeckt wurden. Als jedoch am Rande dieser Tiefseequellen massive sulfidische Ablagerungen mit einer zum Teil sehr hohen Konzentration wertvoller Metalle wie Kupfer, Zink, Gold und Silber nachgewiesen wurden, war das Interesse geweckt. Der technische Aufwand und die Kosten sind allerdings sehr hoch, sodass es viele Jahre nicht wirtschaftlich war, diese Rohstoffe abzubauen.

Das könnte sich nun ändern. Aufgrund der Energiewende und der damit verbundenen Dekarbonisierung wird der Bedarf an metallischen Rohstoffen in Zukunft deutlich steigen. Parallel dazu werden Rohstoffe immer teurer, sodass sich auch ein kostenintensiver Abbau wirtschaftlich lohnt. Gleichzeitig wird der Abbau von Rohstoffen an Land, wie Kupfer in Chile, Kobalt im Kongo und seltene Erden in China, im Hinblick auf Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt die Geopolitik immer stärker hinterfragt. All das führt dazu, dass das Interesse an den marinen Rohstoffvorkommen steigt.

Erkundung und Abbau mariner Rohstoffe ist streng geregelt

Diese einfach so – außerhalb der eigenen territorialen Gewässer – zu erkunden und abzubauen, ist allerdings seit der Verabschiedung des internationalen Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ) im Jahr 1982 nicht mehr erlaubt. Seitdem gelten der Tiefseeboden außerhalb der nationalen Hoheitsgebiete und die mineralischen Ressourcen als „gemeinsames Erbe der Menschheit“. Erkundet und abgebaut werden darf hier nur nach vorheriger Genehmigungserteilung durch die Internationale Meeresbodenbehörde ISA (International Seabed Authority). Für ihre eigenen Gebiete sind die jeweiligen Länder zuständig.

Wenn eine Lizenz erteilt wurde, muss das jeweilige Gebiet allerdings innerhalb von 15 Jahren erforscht werden. Andernfalls erlischt die Berechtigung. „Dadurch ist jetzt ein gewisser Druck entstanden, Erforschungen auch durchzuführen“, berichtet Leonhard Weixler, Leiter des Geschäftsbereichs Schlitzwandtechnik bei Bauer Maschinen in der oberbayrischen Stadt Schrobenhausen.

Der Maschinenbauingenieur hatte sich schon lange für den Tiefseebergbau interessiert. Als er dann 2014 bei der Versammlung zur Gründung des Verbands Deep Sea Mining Alliance in Hamburg den Geschäftsführer der Bremer Reedereigruppe Harren & Partner, Heiko Felderhoff, kennenlernte, war schnell klar, dass sich ihr Know-how und das ihrer beiden Unternehmen dafür vortrefflich ergänzen: Schließlich sind geeignete Schiffe und Tiefbaumaschinen sowie die entsprechende maritime und technische Expertise Grundvoraussetzung für den Tiefseebergbau. Hinzukommt, dass beide Unternehmen bereits Erfahrung mit dem Offshore-Geschäft haben.

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Fakten

Seabed Mineral Services

Joint Venture der Bremer Reederei Harren & Partner und des bayerischen Maschinenbau-unternehmens Bauer Maschinen

Gründung: August 2021
Amtsleiter und Firmensitz: Schrobenhausen
Geschäftsfeld: Erkennen von marinen Rohstoffen

Fotos: HARREN & PARTNER, MARUM – ZENTRUM FÜR MARINE UMWELTWISSENSCHAFTEN, UNIVERSITÄT BREMEN (CC-BY 4.0), BAUER

Erst etwa 200 Massivsulfidvorkommen sind bisher entdeckt

Im August 2021 gründeten die Harren & Partner Gruppe und Bauer Maschinen daher das Joint Venture Seabed Mineral Services, in dem Felderhoff und Weixler gemeinsam als Geschäftsführer agieren. Mit dem neuen Unternehmen wollen sie zunächst die Erkundung von Massivsulfiden als Dienstleistung anbieten. Angesichts der rund 90.000 Kilometer langen Kraterränder an den Kontinentalplatten, in denen sich alle etwa 10 bis 50 Kilometer Vorkommen befinden, von denen erst etwa 200 entdeckt sind, haben sie schon mit der Erkundung genug zu tun. „Den Abbau überlassen wir anderen, erst einmal konzentrieren wir uns auf die Proben“, so Weixler.

Equipmentseitig ist das Joint Venture bereits jetzt gut aufgestellt: „Schiffe mit dynamischer Positionierung, also solche, die ohne Ankern oder Festmachen eine Position halten können, haben wir“, erläutert Felderhoff. Außerdem bedürfe es noch einiger Zusatzausrüstung wie ROVs (Remotely Operated Vehicles, auf Deutsch ferngesteuerte Fahrzeuge). Darüber hinaus müssen die Baumaschinen noch tiefseetauglich gemacht werden.

Joint Venture legt Wert auf Nachhaltigkeit

Zum Einsatz kommt für die Gewinnung der Massivsulfide in einer Tiefe von 2.000 bis 6.000 Meter der sogenannte Vertical Approach. „Das ist ein im Spezialtiefbau bewährtes Verfahren, bei dem lediglich ein ‚Werkzeug‘ zum Zweck der Materialentnahme zum Einsatz kommt“, erläutert Weixler. „Der Boden muss nicht für den Transport zum Schiff nachträglich zerkleinert werden.“ Der Rohstoff werde auf diese Weise mit minimalen Umweltauswirkungen entnommen. „Dazu, wie das im Detail so nachhaltig wie möglich geschieht, führen wir gerade Gespräche mit der Jacobs University Bremen“, unterstreicht Felderhoff.

Zum potenziellen Kundenkreis des Joint Ventures zählen die Lizenznehmer – in der Regel Staaten oder Bergbaukonzerne. „Für diese werden dann im Lizenzgebiet etwa 10 bis 15 Proben genommen“, berichtet Weixler. „Eine Probe misst etwa sieben Meter und wiegt rund 100 Tonnen. Das Material wird dann analysiert und die Daten an den Kunden übergeben, sodass dieser ein klares Bild über die Qualität und die Zusammensetzung hat.“ Ein erster Vertrag mit einem Kunden für Bohrungen in nationalem Gebiet wird gerade verhandelt: „Unser Ziel ist der Vertragsschluss im Mai“, so Felderhoff. „Ende 2022 wollen wir dann mit der Technik aus Bremen starten.“(cb)

„Raucher“ entstehen in magmatisch aktiven Meeresregionen. Durch Risse im Meeresboden sickert Wasser mehrere Tausend Meter tief in den Untergrund. In der Nähe von Magmakammern erwärmt es sich auf bis zu rund 400 Grad Celsius und löst Mineralien aus dem Gestein. Aufgrund seiner geringen Dichte steigt es auf und schießt über die Raucher zurück ins Meer. Durch die Reaktion mit dem kalten Meerwasser bilden sich Mineralienpartikel, die sich in den Kaminen der Raucher oder auf dem Meeresboden ablagern.

Heiko Felderhoff, Geschäftsführer der Harren & Partner Gruppe und Geschäftsführer von Seabed Mineral Services

Leonhard Weixler,

Leonhard Weixler, Leiter des Geschäftsbereichs Schlitzwandtechnik Bauer Maschinen und Geschäftsführer von Seabed Mineral Services

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