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Von Mundra in die Welt

Innerhalb von rund 20 Jahren hat sich Adani Ports zum größten privaten Hafenbetreiber Indiens entwickelt. Eine Erfolgsgeschichte, deren Wirkung sich inzwischen weit über die Landesgrenzen und sogar bis nach Wilhelmshaven erstreckt.

Fulminante Entwicklung: 2001 hat Adani Ports den Betrieb in Mundra aufgenommen – und Ende dieses Jahres könnte Mundra JNPT als größten Containerhafen Indiens ablösen.

Fotos: Adani Ports, Heike May

Obwohl sich Indiens Infrastruktur in den vergangenen 20 Jahren erheblich verbessert hat, mahnen Kritiker immer noch eine höhere Effizienz bei der Warenbeförderung über den See-, Straßen und Schienenverkehr an. So kommt es nicht von ungefähr, dass der Subkontinent im internationalen Ranking des World Economic Forum zur Infrastrukturqualität auf Rang 81 liegt – noch hinter Jamaika und Tunesien. Aber Beispiele wie Indiens größter privater Hafenbetreiber Adani Ports and Special Economic Zone Limited (Adani Ports) geben Anlass zu Optimismus und zeigen, wie man die maritime Wirtschaft und die Logistik mit gezielten Investitionen ankurbeln kann. Das Unternehmen hat seinen Betrieb 2001 im Hafen von Mundra aufgenommen und in weniger als 20 Jahren ein beeindruckendes Portfolio an Hafeninfrastrukturen und Dienstleistungen in ganz Indien aufgebaut. Das Ergebnis sind unter anderem neun Häfen und 18 Terminals in sechs Bundesstaaten des Landes sowie mit Adani Logistics eine Tochtergesellschaft, die maßgeschneiderte landseitige Logistiklösungen anbietet.

Erster Spatenstich erfolgte 1998

Der eigentliche Startschuss für Adani Ports, das Teil der Adani Group und damit eines der größten Infrastrukturkonglomerate Indiens ist, fiel bereits 1998 mit dem ersten Spatenstich im Hafen von Mundra. Seitdem ist das Unternehmen an diesem Standort an der Westküste für den Betrieb und die Instandhaltung sowie für die hafenbasierten Infrastruktureinrichtungen und die dortige Sonderwirtschaftszone (SEZ) verantwortlich.
Zuerst konzentrierte sich Adani Ports 2001 nach einer Vereinbarung mit der Indian Oil Corporation (IOC) auf den Umschlag von Rohöl; in den folgenden Jahren weitete man das Leistungsspektrum sukzessive auf weitere Commodities aus. So folgte nur zwei Jahre später ein Subkonzessionsvertrag für ein Containerterminal, mit dem in Mundra die Ära der Boxen eingeläutet wurde. 2008 schloss man eine Verein­barung mit Maruti Suzuki India Ltd. über die Abwicklung von Autoexporten aus Mundra ab, ehe dort 2011 das weltweit größte Kohle-Import-Terminal entstand. Weitere Meilensteine folgten 2014 und 2017: zwei weitere Joint-Venture-Containerterminals, mit der Schweizer Reederei­ Mediterranean Shipping Company (MSC) und dem französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmen CMA CGM. Heute ist Mundra der größte private Hafen des Landes­ und dürfte – nach den Umschlagszahlen aus den Monaten Januar bis September 2020 – Nhava Sheva (JNPT) zum Ende dieses Jahres auch als größten Containerhafen Indiens ablösen.

Fakten

Adani Ports

Sitz: Ahmedabad (Indien)
Gründung: 1998
Mitarbeiter: 2.200
Häfen: 9 plus Vizhinjam, der gerade gebaut wird
Liegeplätze: 47
Terminals: 18
Umsatz: 1,6 Milliarden US-Dollar (2019)

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In Mundra werden nicht nur Container und Breakbulk umgeschlagen. Teile des Hafens haben überdies den Status einer Sonderwirtschaftszone.

Expansion über ganz Indien

Neben seinen Aktivitäten in Mundra hat sich Adani Ports immer auch parallel darauf konzentriert, die logistische Infrastruktur des gesamten Landes zu verbessern. So baute man 2003 den Hafen Dahej und 2009, als Alternativlösung für den damals überlasteten Hafen von Nhava Sheva, den ­Hafen Hazira. Über Letzteren wird heute vor allem das Hinterland von Süd-Gujarat und Nord-Maharashtra abgedeckt. In 2014, als Adani Ports den Hafen Dhamra erwarb, gelang es erstmals in der Unternehmensgeschichte, insgesamt 100 Millionen Tonnen Fracht über die verschiedenen Standorte umzuschlagen. Um dieses Wachstum weiter anzukurbeln und seinen Eintritt in die Märkte an der Südostküste Indiens zu markieren, kaufte Adani Ports 2015 den Hafen Kattupalli, einen wichtigen Gateway-Hafen in Tamil Nadu. Mit dem Ziel, die Überlastung der logistischen Kapazitäten rund um Chennai zu mindern, nahm Adani Ports darüber hinaus 2018 den Betrieb in Ennore auf. Aufgrund dieses Leistungspakets konnte der Hafenbetreiber 2019 die Verdopplung seines Ladungsvolumens auf 200 Millionen Tonnen Fracht über die eigenen Häfen feiern. Inzwischen verzeichnet Adani Ports nach eigener Aussage einen Marktanteil von 22 Prozent in Indien. Die Hauptgaranten für diese Erfolgszahlen sind die Häfen in Mundra, Dahej, Hazira, Dhamra, Ennore, Kattupalli und ­Krishnapatnam sowie die Terminals in Mormugao, Visakhapatnam und Kandla (Thunfisch-Tekra). An diesen Standorten wird eine Vielzahl unterschiedlicher Güter umgeschlagen, die Palette reicht inzwischen von Kohle, Rohöl und Containern über Düngemittel, Agrarprodukte und Stahl bis hin zu Projektladung, Speiseöl, Chemikalien und Autos. Darüber hinaus betreibt Adani Ports seit 2005 das bereits angesprochene Logistikunternehmen Adani Logistics (ALL). Dazu gehören auch fünf Logistikparks, die als wichtige Zentren für die Konsolidierung und Dekonsolidierung der ein- und ausgehenden Waren fungieren. Weitere Eckpfeiler von ALL sind eine Flotte von 51 Güterzügen, die die wichtigsten Nachfrage­zentren des Landes mit den Häfen verbinden, und 14 Bargen, die auf den Binnenwasserstraßen Indiens eingesetzt werden.

Internationale Märkte im Visier

Um seine Reichweite aber auch über die Grenzen Indiens hinaus auszudehnen und sich über neue Hafentechnologien auszutauschen, hat Adani Ports in den vergangenen Jahren Marketingvereinbarungen mit einer Reihe von Häfen in seinen Schlüsselmärkten unterzeichnet. Dazu gehört auch die 2019 gestartete Zusammenarbeit mit dem Container Terminal Wilhelmshaven, die durch ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet wurde. Auf dieser Basis arbeiten die Partner seitdem in verschiedenen Bereichen zusammen, um den Handel und das Containerschifffahrtsgeschäft zwischen den Adani-Häfen und dem Hafen in Wilhelmshaven zu fördern. „Für die Entwicklung unseres Hafens ist es von großer Bedeutung, den größten indischen Hafenbetreiber als Partner gewonnen zu haben. Unser MOU mit Adani Ports erlaubt es uns, tiefe Einblicke in den indischen Logistikmarkt zu gewinnen und unser Netzwerk zu stärken“, unterstreicht Andreas Bullwinkel, Geschäftsführer der JadeWeserPort-Marketing Gesellschaft, diesen Schritt.

Vision: Die 500 Millionen Tonnen „knacken“

Adani Ports selbst blickt, trotz der Corona-Pandemie, mit großen Ambitionen und Expansionsplänen in die Zukunft. Dazu gehören ein organisches und anorganisches Wachstum sowie die Realisierung eines Jahresumschlags von 500 Millionen Tonnen. Letzterer soll, wenn möglich, schon im Jahr 2025 erreicht sein. Und mit Vizhinjam, der vor allem als Transhipment-Hub fungieren soll, ist der nächste Hafen auch schon im Bau: Er soll bis 2022 in Betrieb gehen. Noch davor plant Adani Ports im nächsten Jahr die Fertigstellung eines neuen Terminals in Yangon, das im Nachbarstaat Myanmar liegt. Entsprechend deutliche Konturen haben die Vorstellungen von Kapitän Sandeep Mehta, Präsident von Adani Ports und Leiter des Container Business Developments: „Wir werden weiterhin die besten Containerterminals und Häfen in Indien und Übersee entwickeln und dabei den Reedereien hohe Servicestandards für eine schnellere Abfertigung der Schiffe bieten. Mundra, unser Flaggschiffhafen, wird dabei weiterhin das Epizentrum unserer Logistikaktivitäten sein. Er ermöglicht unseren Kunden komplette Logistiklösungen, einschließlich See-Luft-Logistik“. (bre)

Fakten

Meilensteine in der Geschichte von Adani Ports 1998 – 2020

1998: Baubeginn im Hafen von Mundra.
2001: Mundra Port nimmt Betrieb auf.
2002: Mundra avanciert zum größten privaten Hafen Indiens mit einem Umschlag von 4 Mio. Tonnen.
2003: Hafen Dahej nimmt Betrieb auf.
2009: Hafen Hazira nimmt Betrieb auf.
2011: Inbetriebnahme des weltgrößten Kohle-Import-Terminals in Mundra.
2014: Adani Ports überschreitet beim Frachtumschlag erstmals die 100-Mio.-Tonnen-Marke.
Adani-MSC-Terminal in Mundra nimmt Betrieb auf.
Erwerb des Hafens Dhamra und Baubeginn des Terminals in Ennore.
2015: Erwerb des Hafens Kattupalli und Baubeginn des Containerterminals in Vizhinjam.
2017: Adani-CMA-Containerterminal in Mundra geht in Betrieb.
2018: Ennore Container Terminal geht in Betrieb.
2019: Adani Ports überschreitet beim Frachtumschlag erstmals die 200-Mio.-Tonnen-Marke.
2020: Übernahme des Hafens von Krishnapatnam.

Weitere Informationen

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