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Magazin für Häfen, Schifffahrt und Logistik

Willkommen zum Drahtseiltakt!

Wenn Kooperationen funktionieren, können sie Synergien schaffen. Wenn klare Strukturen und das gegenseitige Vertrauen fehlen, kann der Schuss aber auch nach hinten losgehen. Marc-Oliver Hauswald, Mitglied im Vorstand des Logistikportals Niedersachsen, und Sven Hermann, Vorsitzender der LogistikLotsen für die Metropolregion Nordwest, berichten von ihren Erfahrungen rund um diesen anspruchsvollen Spagat.

Fotos: iStock/myshkovsky, Privat, JadeWeserPort Marketing
Portrait Foto von Sven Hermann

„Netzwerke erhöhen die Anpassungsfähigkeit und Resilienz von Unternehmen.“

Sven Hermann, Vorsitzender der LogistikLotsen für die Metropolregion Nordwest

LOGISTICS PILOT: Wie stark ist der Trend zu Kooperationen in der Logistik und in der maritimen Wirtschaft ausgeprägt?
Hermann:
In der Logistik und maritimen Wirtschaft ist der Trend zu Kooperationen inzwischen sehr stark ausgeprägt. Reedereien, Hafenbetreiber, Logistikdienstleister und Verlader stehen unter hohem Kosten- und Effizienzdruck, während gleichzeitig Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz weiter steigen. Allein lassen sich diese Herausforderungen gerade für die kleineren und mittleren Akteure kaum bewältigen. Kooperationen sind damit weniger Option als vielmehr Voraussetzung, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Hauswald: Aus meiner Sicht gewinnen der Kooperationsgedanke und die Arbeit in Netzwerken gerade in der Logistikbranche und in der maritimen Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Denn die dortige Wettbewerbssituation mit internationalen Standorten und Dienstleistern erfordert eine regelmäßige Überprüfung, an welcher Stelle eine Kooperation mit anderen Marktteilnehmern sinnvoll ist, um wettbewerbsfähige und gesamtheitliche Lösungen zur Optimierung der Transportketten anbieten zu können.

LOGISTICS PILOT: Warum sind Kooperationen und Netzwerke so wichtig?
Hermann:
Kooperationen und Netzwerke sind heute entscheidend, weil Wertschöpfungsketten komplexer, globaler und dynamischer geworden sind. Nur die wenigsten Unternehmen können dabei alle Kompetenzen, Technologien und Ressourcen allein vorhalten. Durch Partnerschaften lassen sich Know-how bündeln, Innovationen schneller umsetzen und Marktzugänge erleichtern. Netzwerke erhöhen die Anpassungsfähigkeit und Resilienz von Unternehmen, etwa bei Lieferengpässen oder geopolitischen Risiken.
Hauswald: Wirtschaftlich betrachtet kommen bei Kooperationen und strategischen Allianzen gleich mehrere Faktoren zusammen. So reduzieren derartige Aktivitäten die Risiken, schaffen Synergien und ermöglichen den Wissensaustausch. Gerade in Niedersachsen, wo viele mittelständische Betriebe eng mit globalen Märkten verknüpft sind, helfen sie bei der Erschließung von neuem Know-how, digitalen Infrastrukturen oder gemeinsamen Investitionen, zum Beispiel in die Digitalisierung oder in nachhaltige Technologien.

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Portrait Foto von Marc-Oliver Hauswald

„Die Vorteile müssen für alle Beteiligten wirtschaftlich messbar sein.“

Marc-Oliver Hauswald, Mitglied im Vorstand des Logistikportals Niedersachsen und
Geschäftsführer Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing

LOGISTICS PILOT: Wie erfolgreich gelingt es den Unternehmen, auf der einen Seite Wett-bewerber zu sein und auf der anderen Seite als Partner in Netzwerken nebeneinander zu stehen?
Hermann:
Die Gleichzeitigkeit von Wettbewerb und Kooperation, oft als „Coopetition“ bezeichnet, gelingt Unternehmen heute besser als noch vor einigen Jahren, bleibt aber anspruchsvoll. Erfolgreich ist dieser Spagat dort, wo klare Spielregeln, transparente Ziele und vertragliche Rahmenbedingungen bestehen. Unternehmen kooperieren häufig in vorwettbewerblichen Bereichen, während sie im Markt weiterhin konkurrieren. Entscheidend ist Vertrauen, aber auch professionelles Governance-Management, um Interessenkonflikte zu steuern. Wer diese Balance beherrscht, kann gemeinsam Effizienzgewinne erzielen, ohne seine strategische Eigenständigkeit aufzu-geben. Fehlende Klarheit oder Machtasymmetrien hingegen gefährden solche Partnerschaften schnell.
Hauswald: Die Balance zwischen Kooperation und Wettbewerb gelingt vielen Unternehmen in Niedersachsen ordentlich, bleibt aber auf längere Sicht anspruchsvoll. Denn traditionell haben sich die maritime Wirtschaft und die Logistikbranche bisher eher als etwas „unbeweglich“ erwiesen. Dabei werden in der Regel gewohnte Wege nicht gerne und nicht so schnell verlassen. Da muss schon der Vorteil, warum es neue Wege einzuschlagen gilt, klar auf der Hand liegen und wirtschaftlich messbar sein – und zwar für alle Beteiligten. Ist das der Fall, dann sind ein hohes Maß an Vertrauen, Verlässlichkeit und eine Portion Mut unabdingbare Voraussetzungen für eine gelungene Kooperation.

LOGISTICS PILOT: Was steht für 2026 auf Ihrer „Kooperationsagenda“?
Hermann:
Ein erster Kooperationserfolg im neuen Jahr war bereits die erfolgreiche Fortsetzung der Reihe „Project Logistics Master Class“ Anfang Januar, dieses Mal zusammen mit der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung. Mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertreter vonseiten der Verlader und Logistikpartner haben wir dabei an gemeinsamen Ideen für die Optimierung des Risiko- und Vertragsmanagements und künftigen kooperativen KI-Projekten gearbeitet. Weiter geht es im März mit der Logistics-Connect – dem Kongress- und Netzwerkhighlight des Jahres. Zudem sprechen wir gerade mit bremenports und dem VDMA über eine Kooperation zur Ausrichtung einer Art Zukunftswerkstatt im Frühjahr, in der wir Auszubildende, duale Studierende und junge Fachkräfte aus Industrie- und Logistikunternehmen zusammenbringen wollen, um zusammen die Arbeitswelt von morgen zu erkunden.
Hauswald: Für den JadeWeserPort wünschen wir uns die Chance, neue Verkehrswege mit Partnern aus dem Hinterland, insbesondere in der Metropolregion Rhein-Ruhr mit ihren rund 14 Millionen Einwohnern, vice versa zu entwickeln. Erste Ansätze im Austausch mit Vertretern des größten Binnenhafens der Welt in Duisburg waren bereits erfolgversprechend. Nun gilt es, diese weiter zu vertiefen. Das bedeutendste Einfallstor für die Volumen aus Asien ist der Hafen Rotterdam als logistische Drehscheibe Europas. Hauptsächlich via Binnenschiff, aber auch auf der Schiene werden von dort aus über den Rhein erhebliche Mengen in die Region Rhein-Ruhr transportiert. Mit den richtigen Partnern an unserer Seite möchten wir die größtmögliche Unterstützung leisten, um einen Teil dieses Volumens zukünftig über den JadeWeserPort zu steuern, frei nach dem Motto „Mehr Container für Deutschland“. Ebenfalls auf unserer Agenda steht die Intensivierung unserer Verbindungen nach Osteuropa. So durften wir vor einigen Wochen mithilfe von Kooperationspartnern aus Ungarn unseren Hafenstandort in Budapest präsentieren. Eine ähnliche Veranstaltung planen wir 2026 in Prag mit Unterstützung der dortigen Netzwerkpartner. (bre)