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Transformationsprozess für die erste Liga

Mit dem Konzept „Smart Port“ will bremenports nicht nur die Digitalisierung in seinen Häfen anschieben, sondern auch die Vernetzung zwischen den Akteuren vorantreiben, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Fotos: BREMENPORTS, PIXABAY/GERD ALTMANN
Das Land Bremen besitzt mit seinen Universalhäfen eine wichtige Funktion als Drehscheibe für internationale Warenströme. Allein im vergangenen Jahr wurde an den Kajen und Terminals in Bremen und Bremerhaven ein seeseitiger Güterumschlag von 69,7 Millionen Tonnen erzielt. Diese Position möchten die bremischen Häfen in den kommenden Jahren nach Möglichkeit ausbauen. Deshalb arbeitet bremenports derzeit an einem umfassenden Digitalisierungs- und Modernisierungsprogramm. „In den nächsten Jahren wollen wir gemeinsam mit der Hafencommunity ein ambitioniertes Smart-Port-Konzept erarbeiten und umsetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Häfen zu steigern“, erläutert Daniel Becker, Abteilungsleiter IT bei bremenports. SMART steht dabei für „Sustainable, Multimodal, Agile, Resilience, Technologized“ und soll dafür Sorge tragen, dass durch Digitalisierung eine Synchronisierung und Optimierung der Lieferketten erreicht wird. „Aus technologischer Sicht stehen die Werkzeuge dafür mit KI, 5G oder der Cloudtechnologie längst zur Verfügung. Nun gilt es, diese unter den verschiedenen Akteuren entsprechend zu vernetzen und dabei auch das Thema Cybersecurity nicht zu vergessen“, so Becker.

Im Auftrag der Senatorin für Wissenschaft und Häfen hat bremenports zwischen Dezember 2021 und März 2022 eine sogenannte SWOT-Analyse durchführen lassen, um die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der bremischen Häfen zu bestimmen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Analyse bezog diverse lokale Stakeholder der Hafenwirtschaft in Form von Onlineumfragen, Interviews und Workshops mit ein, um ein möglichst breites und praxisnahes Meinungsbild zu erhalten. Die inzwischen vorliegenden Ergebnisse zeigen vor allem eines: Die Zusammenarbeit untereinander funktioniert nach Ansicht der Hafenakteure bereits seit Langem zufriedenstellend, aber durch den Einsatz von Digitalisierung und neuen Technologien könnten die Prozesse unter den Beteiligten noch besser aufeinander abgestimmt und effizienter gestaltet werden.

„Genau an diesem Punkt setzen wir an – und zwar mit einer Reihe unterschiedlicher Projekte“, erläutert Becker. „In diesem Kontext ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten stets intensiv untereinander austauschen. Denn nur so können wir die Ängste vor der Digitalisierung nehmen, Vertrauen aufbauen und voneinander lernen.“ Laut Becker ist „Smart Port“ kein einzelnes Projekt mit einem klar definierten Zeitfenster, sondern vielmehr ein Baukasten von Maßnahmen, „die jetzt angepackt und nicht mehr losgelassen werden, um mit den bremischen Häfen ein höheres Level zu erreichen, das sich schon in zwei bis vier Jahren in sicht- und messbaren Fortschritten widerspiegelt“.

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Zwei Pilotprojekte

Zwei aktuelle Beispiele für dieses Bestreben sind die Projekte „Digitale Außenweser“ und „PRINOS“. Im ersten Fall soll – salopp formuliert – die Außenweser digital werden, da man es als potenziellen Wettbewerbsnachteil empfindet, dass Bremerhaven und das Revier der Außenweser bislang über keine nautische Terminalkoordinierung verfügen. Ziel dieses Vorhabens, bei dem bremenports, Eurogate und das Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC) Seite an Seite arbeiten, ist es, mit transparenter und fortlaufend aktualisierter Information die vorhandenen Terminalkapazitäten besser zu nutzen und die Ressourcenplanung zu optimieren sowie Schiffsanläufe vorrausschauend zu planen und so auch die Treibstoffverbräuche zu senken. „Bei ‚Digitale Außenweser‘ geht es darum, die Lotsen, die Reeder, die Umschlagsbetriebe und viele weitere am Geschehen Beteiligte so mit einzubinden, das die aktuellen Verkehrs- und Kommunikationsabläufe in diesem Revier genau analysiert werden können, um anschließend über ein geeignetes digitales Betriebskonzept zu entscheiden, hinter dem alle stehen“, so Becker.

Bei dem Projekt „PRINOS“ – die Abkürzung steht für Port Railway Information and Operating System“ – handelt es sich um ein neues IT-System mit modularer Struktur, das die Betriebsaufläufe bei der bremischen Hafeneisenbahn weiter verbessern soll. Die „PRINOS“-Einführung im Echtzeitbetrieb ist in drei Stufen geplant: zuerst im September am Standort Bremen-Grolland, dann ab Oktober im Bremer Innenhafen und ab Dezember in Bremerhaven. Das PRINOS-Kundenportal soll als gemeinsame Datenplattform eine zeitgemäße Kommunikation zwischen den Zugangsberechtigten, den Rangierdienstleistern und den Terminals ermöglichen und dabei insbesondere die Kapazitätsplanung, Disposition, Statistik und Entgeltabrechnung der Hafenbahn unterstützen.

Auf diesen beiden Pilotprojekten aufbauend wolle man dann nach Aussage von Becker sukzessive weitere Digitalisierungsvorhaben realisieren – immer mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der bremischen Häfen langfristig zu sichern. „Um in der ersten Liga mitzuspielen, müssen wir die Smart Port-Transformation aktiv gestalten und für alle attraktiv machen. Und das werden wir jetzt beginnen“, so der IT-Manager. Veränderung bedeutet aber immer auch Risiko. Deshalb sei es denkbar, auf dem Weg zur digitalen Hafenstruktur auch mal ein Scheitern zu erleben. Wichtig sei, sich jetzt gemeinsam auf den Weg zu machen. (bre)

In mehreren Workshops holte bremenports Stakeholder aus der Hafenwirtschaft mit ins Boot, um den Austausch untereinander zu fördern. Beim Workshop zum Thema „Digitale Außenweser“ trafen sich zuletzt (v. l.) Daniel Becker, Maxim Neiser, Patrick Alexander Rugenstein, Alexander Welk, Reno Hahn, Laura Miggo, Maik Baudeck, Joachim Bohte und Dirk Friedsam.

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